Aufsatz 
Antrittsrede und Schulnachrichten / vom Direktor Dr. Schmidt
Entstehung
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III. Jahresbericht.

Das Schuljahr begann am 23. April 1906 mit der Aufnahmeprüfung und endet am 23. Mär⸗ 1907. Die Ferien dauerten: Pfingsten vom 1. bis 12. Juni; im Sommer vom 13. Juli bis 14. August; im Herbst vom 29. September bis 12. Oktober; Weihnachten vom 22. Dezember 1906 bis 8. Januar 1906. Der Nachmittagsunterricht, bezw. die letzten Vormittagsstunden wurden wegen der Hitze zehnmal ausgesetzt; zur Ausnutzung der in diesem Jahre sehr ergiebigen und mannigfaltigen Winter- freuden wurde einigemal der gesamte Nachmittagsunterricht freigegeben, und oft werden die Turnstunden demgemäls verwandt.

Mit Anfang des Schuljahres traten in das Lehrerkollegium ein die Herren Dr. Kappus aus Frankfurt a. M. als Oberlehrer, Fuchs aus Marburg als wissenschaftlicher Hülfslehrer und Dr. Hadeler aus Frankfurt a. M. als Probekandidat und stellvertretender wissenschaftlicher Hülfslehrer.

Einen schmerzlichen Verlust erlitt die Anstalt durch den Tod des Seniors ihrer Lehrer, des Herrn Professors Dr. Spiefs. Schon seit länger als einem Jahre kränklich, hatte er von Anfang des Schuljahres an Urlaub nehmen müssen und gedachte zu Ostern 1907 in den wohlverdienten Ruhestand überzutreten. Da ereilte ihn am heiligen Abend ein Schlaganfall, dem er schon in der folgenden Nacht erlag. Herzensgüte, Milde und Lauterkeit der Gesinnung. Selbstlosigkeit im Dienst an den Mitmenschen, hohe Pflichttreue und unermüdlicher Fleils in seinem Berufe und in der wissen- schaftlichen Forschung waren die Vorzüge seines Wesens, die ihm die Hochschätzung und Zuneigung seiner Kollegen und der Schüler erwarben. Ein herzliches und dankbares Andenken wird ihm die Anstalt bewahren, der er 31 Jahre lang mit Hingebung und Liebe gedient hat. Sein Lebenslauf sei in Kürze angefügt: Bernhard Spieſs, geb. am 28. März 1845 zu Fleissbach im Dillkreis, bestand die Reifeprüfung am Gymnasium in Weilburg im Jahre 1863, studierte Theologie und Philologie und war nach Erledigung seiner Staatsprüfungen von 18661869 als Pfarrvikar tätig; von 1869 1876 war er Religionslehrer am Gymnasium in Weilburg und gehörte von Ostern 1876 bis zu seinem Tode dem Lehrerkollegium des königl. Gymnasiums zu Wiesbaden an, wo er auch als Gefängnisgeistlicher und Mitglied der Gemeindevertretung für das kirchliche Leben segensreich wirkte.

Auch den Tod eines braven Schülers hat die Anstalt zu beklagen. Am 27. November 1 906 wurde der Obersekundaner Reinhard Debus aus Auringen bei Niedernhausen von einer tückischen Krankheit jäh dahingerafft, herzlich betrauert von den Lehrern und Mitschülern.

Während im übrigen der Gesundheitszustand der Schüler im allgemeinen befriedigend war, wurde das Lehrerkollegium von Erkrankungen zeitweise so heimgesucht, dalfs die regelrechte Durch- führung des Unterrichts unmöglich geworden wäre, wenn nicht das Kgl. Provinzial-Schulkollegium in dankenswerter Weise schnellbereite Hülfe geleistet hätte. So wurde Herr Professor Range, der während des Sommers einige Wochen beurlaubt war und vom 4. Dezember an bis Ostern fehlte, vom 1. Januar ab durch den Herrn Kandidaten Müller aus Frankfurt a. M. vertreten, und ebenso Herr Professor Seipp vom 21. Januar bis zum Schluſs des Schuljahres durch die Herren Kandidaten Dr. Brandt, Stracke, Zieprecht. Herr Professor Hochhuth fehlte während des Februars und Märzes. Von der Aufzählung der zahlreichen kürzeren Versäumnisse sei abgesehen.

In das pädagogische Seminar traten ein die Herren Dr. Brandt, Ebel, Dr. Humpf, Kolb, Stracke, Rosalewski, Wagner, Zieprecht und vom 1. Januar 1907 ab Müller.