23 da iſt der rechte Zeitpunkt gekommen für die Schule, die das Bedürfniß des Kindes nach anſtrengender Beſchäftigung befriedigen kann.
Und die rechte Schule thut dieſes. Längſt iſt die Zeit vorüber, wo die Schule wie ein Zucht⸗ haus angeſehen war. Aus dem Kind wird ein Schüler, an die Stelle des Spiels tritt die Aufgabe. Der hierin für den jungen Menſchen liegende Reiz iſt Jedem bekannt, der mit der Erziehung ſich beſchäftigt hat und dieſen in der rechten Weiſe zu benutzen, den nur vergänglichen Reiz zu feſſeln und durch ihn überzuführen in das anhaltende Bedürfniß nach und in die Gewöhnung an die Arbeit, dies iſt die Aufgabe der Schule. Wohl ihr, wenn ſie es erreicht, daß die Luſt an der Arbeit das in ihr waltende Gemeingefühl iſt. Sicher ſtellt daſſelbe immer da ſich ein, wo der Lehrer ſelbſt erfüllt iſt von dieſem Gefühl, wo er ſelbſt voller Luſt mit den Schülern arbeitet. Das iſt dann„die Erziehung zur Arbeit“, die auch fortwirkt, wenn der Schulzwang aufhört, die den Geiſt des Menſchen durch ernſte Aufgaben erfüllt und durch hohe Ziele veredelt. Zu dieſer Schule freudiger Arbeit ſehen wir ſowohl das Kind als auch den erwachſenen Schüler heiter den Weg beſchreiten und gönnen es beiden, wenn ſie noch fröhlicher den Rückweg antreten, denn Spiel und Erholung ſind ihnen jetzt der wohlverdiente und wohlthuende Wechſel mit redlicher Arbeit.
So möge denn auch unſerer Schule jetzt nach vollbrachter Jahresarbeit die Erholungszeit vergönnt ſein, damit dem Geiſt und dem Körper die erforderliche Spannkraft bewahrt bleibe. Und Ihr, meine Schüler, die ihr im Begriff ſeid, die Arbeit der Schule zu vertauſchen mit der Arbeit des Lebens und des Berufes, vergeßt nie, daß eine höhere Weihe eurer Arbeit inne wohnen muß, wenn ſie rechte Früchte bringen ſoll.
Wohl ſagt darum der Dichter:
„Von der Stirne heiß, Rinnen muß der Schweiß,
Doch der Segen kommt von Oben!“
Friedrich Schödler.


