Aufsatz 
Die Erziehung zur Arbeit
Entstehung
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verabſchiedete die im Schulhof verſammelten Lehrer und Schüler mit einem Hinweis auf die Bedeutung und den hohen Ernſt der Lage und ſchloß mit einem Hoch auf den Erfolg der dantſchen Waffen, worauf von Allen mit BegeiſterungDie Wacht am Rhein geſungen wurde..

Glücklicherweiſe ſtellten ſich die gehofften Erfolge ſo raſch und entſcheidend ein, daß bereits am 1. September der Ferien⸗Unterricht und am 1. Oktober der vollſtändige Unterricht wieder beginnen konnte.

Nunmehr den Faden unſeres Jahresberichtes aufnehmend, haben wir vor Allem der hohen Ehre und Freude zu gedenken, welche der Realſchule bereitet wurde durch den Beſuch Ihrer Königlichen Hoheiten des Prinzen Ludwig und der Prinzeſſin Alice von Heſ ſen, indem dieſelben der am 11. April abgehaltenen öffentlichen Prüfung zwei Stunden lang mit eingehendſtem Intereſſe beiwohnten.

Am 12. April wurde das Schuljahr 1869/70 durch den feierlichen Akt im Saale des Caſino zum Frankfurter Hof geſchloſſen, unter allgemeinſter Betheiligung der Angehörigen unſerer Schüler und der Freunde unſerer Schule.

Das Schuljahr 1870/71 wurde am 9. Mai mit 423 Schülern eröffnet, was gegen das vorher⸗ gegangene Jahr einen abermaligen Zuwachs von 51. Schülern ergibt. Am erſten Sonntag wurde der feierliche Gottesdienſt mit bezüglicher Predigt gehalten, welche in dankenswerther Weiſe der Hochwürdige Herr Domprä⸗ bendat Noſtadt übernommen hatte.

Am 9. Juni wohnte das Lehrerkolleg in üblicher Weiſe der zu Ehren des Geburtstags Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs im Dome abgehaltenen gottesdienſtlichen Feierlichkeit bei.

Mehrfach war der Realſchule im verfloſſenen Schuljahre Anlaß gegeben, an Akten der Pietät ſich zu betheiligen.

Am 23. April ſtarb zu Darmſtadt der Großh. Geheime Oberſtudienrath und Domkapitular Dr. Lüft, der lange Jahre als Referent für unſere Anſtalt, ſich als warmer Gönner und Freund derſelben bewährt hat, Der Director und Kolleg Krämer vertraten dieſelbe bei deſſen Beerdigung, die unter einer ungewöhnlich zahlreichen Begleitung, ſelbſt aus entfernten Landestheilen, ſtattfand und Zeugniß gab von der allgemeinen Liebe und Verehrung, welche der Verſtorbene in ſeltenem Grade genoſſen und die den beſten Ausdruck gefunden hat in nachfolgendem, von Seiten der Großh. Oberſtudiendirection demſelben gewidmetem Gedenkblatte:

Ein ſchwerer Verluſt hat am 23. April 1870 unſer Colleg betroffen. Unſer älteſtes Mitglied, Dr. Johann Baptiſt Lüft, geboren zu Hechtsheim im März 1801, im Jahre 1835 in den vormaligen Großh. Oberſchulrath, im Jahre 1849 in die Großh. Oberſtudiendirection berufen, ſeit 1857 Geheimer Oberſtudienrath, iſt am genannten Tage nach langen Leiden durch einen ſanften Tod von uns hinweggenommen worden. Bis zum Ende ſeines Lebens war ihm die Erziehung des Menſchen ein heiliger Beruf; dieſem waren ſeine letzten Kräfte noch mit Freudigkeit gewidmet. Wir haben in langjährigem Zuſammenwirken mit ihm die vorzüglichen Eigenſchaften, die ihn als Menſchen wie als Diener der Kirche und des Staats auszeichneten, kennen und hochſchätzen lernen. Unſere Acten ſind reich an Früchten ſeiner pädagogiſchen Einſicht, und wahrhaft wohlthuend war ſein klares, warmes Wort bei mündlicher Berathung. Da zeigte ſich die ſittliche Würde und die fein angelegte und durchgebildete Natur des Mannes in den anſprechendſten Formen. Glaubensfeſtigkeit und Achtung anderen Glaubens hielten ſich die Waage; Wahrheit und Gerechtigkeit lenkten ſein Urtheil; energiſch in ſeinem Antrag, war er doch bemüht und geſchickt, milden, ſchonenden Ausdruck zu finden, und oft wußte rechtzeitig ſein glücklicher Humor einer trüben Sache eine heitere Seite abzugewinnen. Durch ſolches Thun und Walten erwarb ſich unſer hochverehrter College und Freund allgemeines Vertrauen und unvergängliche Verdienſte um die Schulverwaltung in Heſſen, und es wird uns ſein Bild ſtets als ein ehrwürdiges Vorbild in dankbarer Verehrung vor der Seele ſtehen:

Als Nachruf an ihn eignen wir uns die Worte eines großen Römers an:

Placide quiescas nosque a lamentis ad contemplationem virtutum tuarum voces, quas neque lugeri neque plangi fas est: admiratione te potius et immortalibus laudibus et, si natura suppeditet, aemulatu decoremus. Is verus honos, ea conjunctissimi cuiusque pietas.

Späteren Mitgliedern unſeres Collegs aber, denen es nicht vergönnt war, ſelbſt das ſegensreiche Wirken dieſes edlen Mannes zu beobachten, glaubten wir wenigſtens hiermit einen Hinweis auf die Bedeutung deſſelben geben zu ſollen, damit in der Geſchichte unſerer heſſiſchen Schulverwaltung auch Er, dem ein derbeltlicher Ehrenkranz gebührt, nach Verdienſt gewürdigt werde.