Aufsatz 
Die Erziehung zur Arbeit
Entstehung
Einzelbild herunterladen

13

4. Chrouik der Anſtalt.

Amtliche Mittheilungen.

Durch höchſtes Dekret Großh. Miniſteriums des Innern vom 24. September 1870 iſt der frühere Unter⸗ offizier der Großh. Gendarmerie Johannes Becker, geboren 1823 zu Schotten in Oberheſſen, zum Pedell an der Realſchule ernannt worden.

Durch hohes Dekret Großh. Oberſtudiendirection vom 30. Januar 1871 iſt der Gymnaſial⸗Acceſſiſt Dr. Moritz Munier zum proviſoriſchen Hülfslehrer an der Realſchule, an Stelle des Dr. Ohler, ernannt worden, indem letzterer eine Berufung als Repetitor an hieſigem Gymnaſium erhalten hat. Dr. Munier iſt geboren zu Mainz, am 9. Auguſt 1846, beſuchte daſelbſt das Gymnaſium, ſtudirte auf der Landesuniverſität Gießen Naturwiſſenſchaften und Philologie, erledigte das philologiſche Fakultätseramen im Herbſt 1870 und promovirte ebendaſelbſt. Sein Dienſtantritt an der Realſchule erfolgte am 1. Februar 1871.

Jahresbericht.

Indem wir der Aufgabe gedenken, die Geſchichte unſerer Schule für das Jahr 1870/71 niederzuſchreiben, geſchieht dies unter dem überwältigenden Eindrucke der Ereigniſſe dieſes ewig denkwürdigen Jahres, um ſo mehr, als wir vor nur wenigen Tagen den ſiegreichen Feldherrn und Kaiſer mit begeiſtertem Jubel bei ſeiner Rückkehr hier begrüßten, von wo er am 7. Auguſt v. J. ausgezogen war zu jener Reihe glänzender Waffenthaten der deutſchen Heere, die ein deutſches Reich wiederherſtellten, feſt geeinigt nach Innen, mächtig und ſtark nach Außen!

Dürftig und unerheblich erſcheint es, neben ſo hervorragenden Momenten die kleinen Freuden und Leiden eines Schulweſens zu verzeichnen. Aber gerade im Laufe dieſes Krieges, bei den unvergleichlichen Leiſtungen unſerer Streiter in jeder Lage des Kriegslebens iſt ſo wiederholt des Antheils gedacht worden, den die deutſche Schule an dieſen Erfolgen habe, daß wir uns erſt recht gehoben und geſtärkt fühlen, mit aller Treue und Hin⸗ gebung die Keime jener Bildung und Pflichttreue, jener geiſtigen und körperlichen Disciplin zu pflegen und zu feſtigen, die, eine Zierde der deutſchen Heere, ſelbſt in den Augen unſerer Feinde die höchſte Anerkennung gefunden haben.

Doch mit tiefer bewegtem Herzen folgten wir den Zügen und Kämpfen jener braven Truppen, in dem Gedanken, daß mit ihnen zu Schutz und Trutz unſeres Rheinlandes ſo viele ehemalige Schüler, ja ſolche, die kaum vor Jahresfriſt geſchieden, hinausgezogen waren in zahlloſe Mühen und Gefahren. Und freudig dürfen wir es ſagen, daß, wenn Alle ihre Pflicht erfüllten, nicht wenige dies mit rühmlicher Auszeichnung thaten, die in Beförderungen zum Offizier und in der Verleihung des eiſernen Kreuzes mehrfache Anerkennung gefunden hat. Wenn auch die erheblichen Verwundungen, mit welchen einzelne zurückkehrten, den Ernſt der mitgeſtrittenen Kämpfe bezeigten, ſo hatten wir doch kein Todesopfer aus dem Kreis der uns theuren Schüler zu beklagen.

Eine weitere Betheiligung an den Zeitereigniſſen nahm die Realſchule dadurch, daß die Herren Kollegen Kölſch, Manefeld und Vey, ſowie die Herren Religionslehrer Geier und Steinmetz an Erquickung, Pflege und Tröſtung durchziehender Truppen, insbeſondere auf dem Verbandplatze, thätig waren. Auch hatten etwa 30 Schüler der drei oberen Klaſſen dem Comité für Erquickung ſich zur Verfügung geſtellt und wacker Hand angelegt. Hervorragend iſt jedoch der Antheil, welchen unſer Turnlehrer, Kollege Vey, an dem Werke freiwilliger Sorge für leidende Krieger genommen hat. Dreimal wurde ihm die Begleitung des von Mainz ſo trefflich ausgerüſteten Sanitätszuges mitvertraut, zur Evacuirung der Spitäler in Frankreich, nämlich vom 9. bis 21. Januar, vom 28. Januar bis 12. Februar und vom 23. Februar bis 5. März, eine Aufgabe, die namentlich in der bitteren Kälte des Januar eine doppelt ſchwere war.

Endlich wurde die Realſchule durch die Kriegsereigniſſe noch in Mitleidenſchaft gezogen dadurch, daß unſer Schullokal für Militärzwecke in Anſpruch genommen und am 1. Auguſt geräumt werden mußte. Der Direktor