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Daß in der That aus der Schulfreundſchaft nicht ſelten in der Folge Verbindungen zu geſchäft⸗ lichen Unternehmungen hervorgehen, und namentlich der Fall eintreten kann, daß der Reiche das unbe⸗ mittelte Talent kennen lernen und für beide nutzbringend heranziehen kann,— daß der glückliche Freund, wenn er ſpäter dem Schulfreund in bedrängter Lage begegnet, dieſem hülfreich und förderlich werden kann,— dafür haben wir viele erfreuliche Beiſpiele und von Niemand wird eine Wohlthat leichter an⸗ genommen werden, als von dem alten Schulfreund, zu dem in der frühen Jugendzeit keine berechnende Ueberlegung den unbefangenen Knaben hingezogen hatte.
Kommen wir daher nochmals auf unſer anfänglich geſprochenes Wort zurück. Es nehme der Schüler, wenn er die Schule verläßt und den Weg in den Lebensberuf antritt, alle die werthvollen Güter mit, die ſein Fleiß in vieljähriger Arbeit errungen hat; doch möge ihm auch der Schatz nicht entgangen ſein, den er nur mit Hingabe ſeines Herzens zu erwerben vermochte— ein in Tugend und Liebe ihm treu verbundener Schulfreund!
Dann mag auch er dereinſt mit dem Dichter die freundliche Geleiterin ſeines Lebens dankbar preiſen:
„Von all' dem rauſchenden Geleite, Wer harrte liebend bei mir aus?
Wer ſteht mir tröſtend noch zur Seite Und folgt mir bis zum finſtren Haus? Du, die Du alle Wunden heileſt,
Der Freundſchaft leiſe zarte Hand, Des Lebens Bürde liebend theileſt,
Du, die ich frühe ſucht' und fand!“
(F. Schödler.)


