IV. Beigabe.
Friedrich Kohlranſch,
Lebensbild eines Schulmannes. (Von F. Schödler.)
(Dauſende und aber Tauſende leſen Tag für Tag jene flüchtigen Erzeugniſſe der Preſſe, welche dazu dienen, uns die Ereigniſſe und Thatſachen aus allen Richtungen der Welt zuzuführen und aus allen Gebieten menſchlichen Schaffens und Wirkens das Bemerkenswerthe mitzutheilen, zu beſprechen und zu erörtern. An jedem Morgen rollt die ſteigende Fluth die mächtige Welle heran, in welcher das Leben aller Völker der Erde pulſirt, das Streben und Ringen auf politiſchem, religiöſem und ſocialem Gebiete, in Kunſt, Wiſſenſchaft, Handel und Gewerbe.
Aber nicht auf einen Jeden, der den Blick auf dieſes überwältigende Gewirre bunter Thatſachen und Meinungen wirft, macht es denſelben Eindruck. Soviel verſchiedene Augen— ſoviel verſchiedene Geſichtspunkte. Wenn wir dem Auge des Staatsmannes und Militärs, des Kaufmannes und Induſtriellen, des Gelehrten und Künſtlers, des Landbauers und Seefahrers nachfolgen— ein jedes ſucht wo anders und verweilt an beſonderer Stelle. Ein Jeder, der dieſen Weltmarkt betritt, denkt zunächſt an den eigenen Bedarf.
So können wir uns deſſen nicht entſchlagen, die Tageblätter mit dem Auge des Schulmannes zu ver⸗ folgen, und da geſchieht es denn, daß manche Bemerkung und Thatſache, die von Tauſenden kaum beachtet wird, an ihre rechte Adreſſe gelangt. Ja, unwillkürlich verfolgt es die in der Maſſe allgemeineren Stoffes dürftig ein⸗ geſtreuten Notizen und ſucht daraus Bedeutung und Zuſammenhang herzuſtellen.
In dieſem Sinne verfahrend, hat nun gerade die jüngſte Zeit eine Anzahl vereinzelter Thatſachen und Mittheilungen in Beziehung auf Unterrichtsweſen und damit Zuſammenhängendes gebracht, die dem deutſchen Schul⸗ manne die größte Theilnahme erregen mußten und von welchen wir im Nachfolgenden Einiges mittheilen wollen.
Gedenken wir zunächſt eines Berichtes der Birminghamer Handelskammer:„Ueber das Verhältniß der engliſchen Induſtrie zur ausländiſchen.“
Der Hauptredner, Mundella, Präſident der Handelskammer in Nottingham, erklärt darin auf Grund der bei der Pariſer Ausſtellung von 1867, ſowie der während ſeines längeren Aufenthaltes in Deutſchland ge⸗ machten Beobachtungen:„Deutſchland werde Englands größter Hauptconcurrent für die Zukunft ſein“— weil aus deſſen Schulen Arbeiter hervorgingen, welche beſſer verſtänden als die engliſchen, die Fortſchritte der Wiſſen⸗ ſchaft und Induſtrie auszubeuten. Er ſelbſt habe in Sachſen kein Kind über zehn Jahre gefunden, das nicht gut habe leſen und ſchreiben können, während in England Nichts der Art exiſtire. In der Volksſchule von Chemnitz habe er barfüßige Kinder von Arbeitern beſſer unterrichtet gefunden, als die wohlhabenden Mittelclaſſen in England.
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