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Zum Fenſter herein hatten die Soldaten Baumſtämme geſchoben, die mit einem Ende noch außerhalb des Fenſters waren, mit dem andern im Ofen ſtaken. Der Rauch hatte ſich ſeinen Ausweg ſuchen müſſen. In den oberen Stockwerken hatte ein franzöſiſcher General gewohnt. Aber auch hier war die Zerſtörung groß; alles Holzwerk war abgeriſſen und verbrannt; fußdick lag der Schmutz in den Räumen.
Da mußte das Leben, aber auch das Geſchäft von Neuem begonnen werden und es war nun vor⸗ zuͤglich der Credit, deſſen ſich Perthes allerwärts zu erfreuen hatte, der ihn in Stand ſetzte, ſich alsbald wieder in die Höhe zu arbeiten und auch jetzt wieder dem öffentlichen Wohle dienlich zu werden.
Nur in flüchtigen Zügen kann hier aus dem ſpäteren Leben das angeführt werden, was auch bis zu ſeinem Tode den edlen Charakter dieſes Mannes kennzeichnet. Wie er Geld ſammelt für die Verarm⸗ ten, insbeſondere Sorge trägt für den Unterricht von 700 verlaſſenen Kindern, wie er als Geſandter nach Frankfurt geht, um dort bei den hohen Fürſten mit Erfolg für die Unabhäͤngigkeit der alten Hanſeſtadt zu wirken, wie er gleich erfolgreich gegen den ſchändlichen Büchernachdruck auftritt, aber eben ſo kräftig gegen die Herausgeber ſchändlicher, unſittlicher Bücher, wie er die Boͤrſe der Buchhändler in Leipzig mit⸗ begründet und endlich durch Reiſen und unermüdlichen Briefwechſel in den regſten geiſtigen Verkehr mit den bedeutendſten Perſönlichkeiten Deutſchlands ſich verſetzt.
In ſpäteren Jahren gab Perthes das Sortimentsgeſchäft in Hamburg auf und ſiedelte nach dem ruhigen Gotha über, wo er ein Verlagsgeſchäft von großem Rufe begründete, das die beſten Werke, vorzüglich aus den Gebieten der Geſchichte, der theologiſchen und philoſophiſchen Wiſſenſchaften zur Litera⸗ tur beförderte. In den Sommermonaten bezog er bei Friedrichsroda, am Saume des Thüringer Waldes ein kleines Landhaus, denn er liebte, noch in Erinnerung ſeiner Jugend in den waldigen Revie⸗ ren bei Rudolſtadt, die ſtille Waldesnatur. Täglich machte er große, anſtrengende Waldgänge über Berg und Thal, wo man halbe Tage wandern und nichts antreffen konnte, als ein flüchtiges Stück Wild, zu⸗ weilen einen Förſter, Köhler oder Bergmann, wo man nichts hörte, als den Schlag der Art eines Holz⸗ hauers oder das ferne Geläute der Heerde aus den Walddörfern.
Auch in dieſer Zurückgezogenheit wurde Perthes von den anerkennenden Ehren der Welt erreicht. Von Sachſen wurde er mit Titel und Orden geſchmückt, von der Univerſität Kiel zum Doktor ernannt, von der Stadt Leipzig— und was ihn am meiſten freute— auch von dem Städtchen Friedrichsroda als Ehrenbürger aufgenommen. Sein Haus hutte ſich eines ſteten Zuzugs von Männern der Wiſſenſchaft
Aus einem ſo reichen Leben und ſruchtöringendee Wirken ſchied Perthes 1843 im 70. Lebens⸗ jahre mit jener ruhigen Faſſung und dem frommen Gottvertrauen, nach deren Gewinnung er ſtets gerun⸗ gen hatte. Er gewährt uns hiernach in ſeiner ganzen Erſcheinung das nachahmungswerthe Beiſpiel eines Bürgers, der in aller geſchäftlichen Thätigkeit und Tüchtigkeit die hohen Ideale des Menſchen im Herzen trug— der in Verfolgung des eigenen Vortheils ſtets das allgemeine Wohl im Auge behielt und als deſ⸗ ſen ſchönſte Tugend eine feurige, aufopfernde Liebe zum deutſchen Vaterlande hervorleuchtet.
Ehre ſeinem Andenken!


