Aufsatz 
Perthes, ein deutsches Bürgerleben
Entstehung
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4. Chronik der Anſtalt. Amtlithe Mittheilungen.

Durch Allerhöchſtes Dekret vom 26. März 1864 wurde der bisher als Hülfslehrer verwendete Gymnaſial⸗Lehramtscandidat Nikolaus von Berks zum ordentlichen Lehrer an der Realſchule ernannt. Derſelbe iſt geboren zu Mainz, am 26. Mai 1836, Sohn des verſtorbenen k. k. öſterreichiſchen Artillerie⸗ Lieutenants Moritz von Berks, beſuchte die hieſige Realſchule und ſpäter die höhere Gewerbſchule in Darm⸗ ſtadt. Er widmete ſich alsdann mehrjährigen mathematiſchen und naturwiſſenſchaftlichen Studien auf der Univerſität Gießen, abſolvirte im Jahr 1858 das Gymnaſial⸗Lehramtsexamen und trat ſofort ſeinen Acceß an der hieſigen Realſchule an. Nach deſſen Erledigung war demſelben Gelegenheit gegeben, als Vicar für erkrankte Lehrer einzutreten, in welcher Eigenſchaft er ein Jahr lang an der Realſchule in Offenbach thäͤtig war, bis er im Jahre 1861 als Hülfslehrer wieder an die Anſtalt berufen wurde, der er nunmehr defi⸗ nitiv angehört.

Nachdem durch Allerhöchſtes Dekret der bisherige evangeliſche Religionslehrer, Herr Pfarrer Göring zum Rathe an Großh. Ober⸗Studiendirektion und Großh. Oberconſiſtorium, ſowie zum Pfarrer in Darmſtadt ernannt worden war, verſammelten ſich am 19. Auguſt 1864 die ſämmtlichen Lehrer und Schüler der Realſchule, um in feierlicher Weiſe von demſelben Abſchied zu nehmen. Mit bewegtem Gefühle hob der Direktor hervor, wie der Scheidende elf Jahre lang eifrig und in freundlicher Kollegialität an der Anſtalt gewirkt habe und wie die herzlichſten Glückwünſche ihn nunmehr in ſeine neue Lebensſtellung begleiten. Daß Er in dieſer uns und dem Gedeihen unſerer Realſchule auch ferner zugethan und gewogen bleiben werde, haben wir aus ſeinen warmen Abſchiedsworten gerne vernommen.

Durch hohe Verfügung vom 17. November 1864 iſt der Pfarrverwalter Herr Wilhelm Stamm aus Lauterbach zum Verwalter der dritten evangeliſchen Pfarrſtelle ernannt worden und in ſeine Funktion als Religionslehrer an der Realſchule ſofort eingeführt worden.

Jahresbericht.

Das Schuljahr 1864/65 wurde am 25. April mit 240 Schülern eröffnet und am erſten Sonntag der feierliche Gottesdienſt mit bezüglicher Predigt gehalten.

Wäͤhrend der vorhergegangenen Frühjahrsferien war zum Erſtenmale die neue Einrichtung ins Leben getreten, nach welcher die Schüler der drei unteren Klaſſen unentgeltlich täglich einige Stun⸗ den, unter Aufſicht und Nachhülfe mehrerer Lehrerarbeiten können. Es betheiligten ſich hieran 105 Schüler, eine Zahl, welche in den Herbſtferien auf 130 ſich erhöhte, ein Beweis, in welchem Grade dieſe Einrichtung ein Bedürfniß für die Mehrzahl der Familien iſt. Auch von dem nunmehr unentgelt⸗ lichen Beſuch der Bad⸗ und Schwimmanſtalt wurde der ausgedehnteſte Gebrauch gemacht und wir dürfen ſomit dieſe beiden neuen Einrichtungen als eine weſentliche, unſerer Lehranſtalt zugewendete Ver⸗ beſſerung bezeichnen.

Am 17. Mai betheiligte ſich das Lehrerkolleg der Realſchule an der Verſammlung Mittel⸗ rheiniſcher Reallehrer, welche unter dem Vorſitz des Berichterſtatters dahier in der neuen Anlage zuſammengetreten war und welche des Anregenden in Vorträgen und geſelligem Verkehr ſo viel bot, daß eine regelmäßige Wiederholung ſolcher Zuſammenkünfte hieran fernerhin ſich reihen wird.

Mit Bedauern haben wir der ernſtlichen Erkrankungen zu gedenken, welche gleichzeitig während des ganzen Monats Juni die Kollegen Schleidt und v. Berks heimſuchte und von ihrer Lehrthätigkeit entfernt hielt. Durch das Zuſammenwirken der übrigen Lehrer und des Direktors wurden die entſtandenen Lücken in möglichſt entſprechender Weiſe ausgefüllt.

Im Verlaufe des Sommerhalbjahres und der Ferienzeit wurde mit den meiſten Schülern in ver⸗ ſchiedenen Parthien unter Leitung der Herren Würth, Schmelzer, v. Berks und Bamberger