Aufsatz 
Die Umgestaltung der Unterrichtsräume für Physik im Ludwig-Georgs-Gymnasium zu Darmstadt
Entstehung
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die 250 qm Bodenfläche seiner Physikräume in der Oberrealschule auf der Uhlenhorst in Hamburg ¹) als hinreichend aber auch als notwendig bezeichnet werden, so ist klar, dass wir nur bei der sorgfältigsten Ausnutzung des Raumes den heutigen Ansprüchen an die physikalischen Unterrichtsräume einigermassen gerecht werden konnten.

Der frühere Lehrsaal I liegt nach drei Seiten frei und an einer Strasse mit sehr lebhaftem Wagenverkehr. Man war daher gezwungen, während des Unterrichtes sämtliche Fenster geschlossen zu halten, was bei einer Zimmerhöbe von 3,30 m doppelt unangenehm empfunden wurde. Ferner empfängt das Zimmer sein Licht von zwei Seiten, ohne aber dabei genügend hell zu werden, da die alten Fenster dieses ältesten, im Jahre 1750 erbauten Teiles des Gymnasialgebäudes schmal und niedrig sind und bei ihren breiten Holzteilen nur eine sehr kleine Lichtfläche übrig lassen. Dazu kam noch, dass wir hier Raum veschwendeten, obwohl wir ihn für andere Zwecke aufs Nötigste brauchten. Unsere 40 Sitzplätze sind näm- lich auf 8 fünfsitzige Bänke verteilt, die in 4 Paaren hinter einander aufgestellt sind. Die Bänke erforderten so zusammen mit dem Experimentiertisch, einschliesslich dem Zwischen- raum zwischen Tisch und vordersten Bänken, einen Raum von 4,90 m Tiefe. Es blieb daher hinter den Bänken ein unbenutzter Raum von 1,75 m und auf der anderen Seite zwischen Experimentiertisch und Tafelwand ein Raum von 3,15 m Tiefe. Dieser letztere wird ja nun von vielen Physiklehrern möglichst gross gewünscht, und gewiss spricht manches dafür. Mir ist jedoch das Verhältnis in unserem jetzigen Lehrsaal, wo der Raum zwischen Experimen- tiertisch und Tafelwand nur 1,80 m tief ist, viel angenehmer. Man ist mit der Tafel näher an den Schülern, und das hat auch manches für sich. Auf jeden Fall aber bedeutete der grosse Zwischenraum in anbetracht unseres allgemeinen Platzmangels eine Raumverschwendung.

Allen diesen Missständen wurde nun dadurch abgeholfen, dass wir den Lehrsaal in das Zimmer II verlegten und die dort befindliche Sammlung nach I schafften. Die jetzige Einteilung der Zimmer ist in die Grundrissskizze(Fig. 1) eingezeichnet. Das Podium mit den Bänken ist fast gegen die eine Wand gerückt. Zwischen den vordersten Bänken und dem Experimentiertisch befindet sich ein Raum von 1,40 m und zwischen Tisch und Tafelwand ein Raum von 1,80 m Tiefe. Die Zwischenwände zwischen den alten Fenstern wurden herausgenommen und eine einheitliche Lichtfläche von 6= 2 qm Grösse hergestellt, die dem Zimmer selbst an trüben Wintertagen eine gleichmässige, auch in den äussersten Ecken hin- reichende Helligkeit verleiht. Der Fussboden, der mit alten splitternden Tannendielen bedekt war, wurde mit Linoleum belegt, wodurch wir einen warmen, weichen und schalldämpfenden Bodenbelag erhielten, der dabei etwa halb so viel wie ein Parketboden kostete.

Die Aufstellung der Sammlung zeigt ebenfalls die Grundrissskizze. Die eigentliche Unterrichtssammlung ist in den Schränken 16 untergebracht. 6 ist ein alter, niedriger Schrank, der demnächst durch einen dem 5 gleichen ersetzt werden soll. Die übrigen fünf sind alle 2 m breit und 2,75 m hoch; 1 4 sind 80 cm tief, während 5 1,45 m tief und von zwei gegenüberliegenden Seiten zugänglich ist. So hohe Schränke sind natürlich unbequem, aber man spart mit ihnen Bodenfläche. Was man nicht in die Breite bringen kann, muss man eben in die Höhe schaffen. In den beiden schmalen Schränken 7 und 8 befindet sich unser Museum, das wir bei der Umräumung einrichteten. Wie jede alte Sammlung enthielt auch unsere eine grosse Anzahl von Apparaten, die nicht mehr gebraucht wurden und es nur einer gewissen Pietät verdankten, dass sie seit Jahren den kostbaren Platz versperren durften. Unserem Herzen Gewalt antuend, beseitigten wir alle zu nichts mehr brauchbaren

¹) Progr. der Oberrealschule und Realschule auf der Uhlenhorst in Hamburg 1903. Progr. Nr. 842. Die Unterrichtsräume für Physik von E. Grimsehl.