Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte der Höheren Bürgerschule und Großherzoglichen Realschule zu Oppenheim am Rhein von 1847-1897
Entstehung
Einzelbild herunterladen

7

Aus den Jahren 1870 und 71 ſind keine Programme vorgefunden worden.

Nach dem im Herbſte 1872 erſchienenen Programme fungierten im verfloſſenen Schuljahre als Hauptlehrer die Herren P. Steiner, Dirigent, L. Bickerle und Martin, und die Schule war in folgende 3 Klaſſen geteilt:

1) Unterſte Klaſſe mit 2 Abteilungen, von welchen die 2. als vorbereitende Abteilung

betrachtet und nur die erſte der Sexta einer Realſchulegleich erachtet wurde. Alter der Schüler am Ende des 2jährigen Kurſus 1012 Jahre.

2) Mittlere Klaſſe(Realquinta). Kurſus: 1 Jahr. Alter der Schüler am Schluſſe: 1113 Jahre.

3) Oberſte Klaſſe(Realquarta). Kurſus: 1 Jahr. Alter der Schüler am Schluſſe: 1214 Jahre.

Von fremden Sprachen wurde gelehrt in der oberen Abteilung der unterſten Klaſſe und in

der mittleren Klaſſe nur das Franzöſiſche, in der oberſten Klaſſe das Franzöſiſche und Engliſche.

Latein war fakultativ in 2 Abteilungen mit je 3 Stunden pr. Woche. Im Schuljahr 1872/73 wurde der 3. Lehrer Martin durch K. Ramge erſetzt.

Am 1. April 1874 verabſchiedete ſich der ſeitherige Dirigent Herr P. Steiner. Da augenblicklich kein Nachfolger zu finden war, übernahm Herr Pfarrer Diehl von Dalheim interimiſtiſch die Leitung der Anſtalt, bis am 1. Juli 1874 Pfarramtskandidat Rechel ſeine Stelle antrat. In dem Programm vom Herbſt 1875 ſagt Letzterer unter Anderem:

Der häufige Wechſel der Lehrer, der namentlich darin ſeinen Grund hat, daß dieſelben vom Staat nicht definitiv angeſtellt werden, hatte ſeine ſchädlichen Folgen auch an unſerer An⸗ ſtalt bemerklich gemacht. Es waren darum Neuerungen unvermeidlich. Nach der beſtehenden Ein⸗ richtung waren in der unterſten Klaſſe Kinder von 912 Jahren vereinigt.(Kinder von 1213 bildeten die 2., und von 1314 die 1. Klaſſe). Bei dieſer Einteilung war es natürlich, daß gerade in der unterſten Klaſſe der Unterricht nicht mit der Gründlichkeit erteilt werden konnte, wie ſie auf dieſer Stufe gefordert werden muß. Glücklicherweiſe blieb die Einrichtung einer 4. Klaſſe nicht blos ein frommer Wunſch. Da bei den Verhältniſſen, wie ſie gegenwärtig liegen, eine Mehrbelaſtung des Gemeindebudgets nicht thunlich war, ſo brachten die Eltern und einige Freunde unſerer Schule privatim die Mittel auf, einen Lehrſaal herzurichten und einen vierten Lehrer wenigſtens für eine Anzahl Stunden zu gewinnen. Herr Pfarrer Diehl von Dalheim ließ ſich zu zwölf Stunden Unterricht in der Woche bereit finden.

Da der 4. Klaſſe die Kinder von 910 Jahren zugeteilt wurden, ſo wurde zu Oſtern d. J., freilich vorerſt mit der vierten Klaſſe vereinigt, eine 5. Klaſſe errichtet, die vorläufig Kinder von 8 ½ 9 ½ umfaßt, aber, wenn es möglich iſt, zu einer Vorſchule erweitert werden ſoll. Da die Zahl der Schüler der 1. Klaſſe auf drei herabgeſchmolzen war, wurde die 1. Klaſſe mit der 2. als 1. Abteilung derſelben vereinigt, dafür aber aus den älteren Schülern der Klaſſe 3 für einzelne Fächer eine Klaſſe Za gebildet. Aus dieſer Klaſſe ſoll ſpäterhin die 2. Ab⸗ teilung der 2. Klaſſe werden. Die neue Einteilung der Schule geſchah in der Hoffnung, daß es möglich zu machen wäre, 1) daß Herr Pfarrer Diehl als proviſoriſcher Lehrer ähnlich der anderen Lehrer angeſtellt würde, und 2) daß noch ein akademiſch gebildeter Reallehrer herbeige⸗ zogen würde. Sollte dieſe Hoffnung trügen, ſo müßte natürlich die Zahl der Klaſſen wieder be⸗ ſchränkt werden.

Im Oktober 1875 bewilligte der Gemeinderath 1800 M. als Gehalt für eine 4. mit einem akademiſch gebildeten Lehrer zu beſetzende Lehrerſtelle, und außerdem den Gehalt des außerordent⸗ lichen Lehrers, Herrn Pfarrer Diehl(vom 1. Juli 1876 ab in Dienheim). Die neu kreirte Lehrerſtelle wurde Herrn Dr. Bremme übertragen, der am 3. Jan. 1876 in ſeine Stelle ein⸗ gewieſen wurde. Durch die neue Organiſation hatte ſich die Schülerzahl um 30 vermehrt.

So wurde die Schule fortgeführt bis zu deren Umwandlung in eine Realſchule, nur daß noch ein Lehrerwechſel eintrat, inden, der Ende des Jahres 1876 ausſcheidende Herr Ramge im Januar 1877 durch Herrn Aſchenbrenner erſetzt wurde.