Aufsatz 
Über den Ausdruck der Gefühle. (Semasiologische Beiträge I.) / Engelbert Schneider
Entstehung
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Braut werben, das wahrscheinlich durch Brautgeschenke frei machen bedeutet*). Hass, Feindschaft skr. pi-(piyati) schmäht, hasst; got. fijan, hassen, fijands Feind; ahd. fiant Feind; vielleicht urverwandt mit ahd. fehid a Hass, Feindschaft, Streit, Fehde; giféèh feindlich, feind- selig, von einer Wurzel pei- k- stechen. Staumen skr. smaya m. Staunen, Hochmut; vismita erstaunt; lat. miĩrus erstaunlich, wunderbar; mĩror wundere mich; admfror bewundere zu skr. smi-(smayate) lächeln. Scham skr. trap-(trapate) schämt sich; trapa m. Scham; griech. ννπμέισιειαασια sich schämen; lat. turpis= schämenswert, zur Wurzel trep- wenden, sich hin und her wenden; skr. trpra hastig, ängstlich; lat. trepidus ängstlich; trepido laufe ängstlich hin und her. Ehrerbietung skr. Li-(kayati) ehrt, scheut, scheut sich, straft; griech. zelc ehre, schätze; ι☛ r Ehbre; ☚μάαα ehre; ksl. cèna f. Ehre; urverwandt mit*keyu wahrnehmen, Fick I4 24; Kàyati ehrt, schätzt, straft also soviel wie'nimmt wahr, sieht nach. Scheu vor den Göttern skr. yagus n. Scheu; yag-(yagati) verebre; zend yaz, yazaitè verehre; yagna Götterverehrung; griech. Aμα verehre, scheue; dyòs heilig. Vertrauen skr. çraddha- inf. graddhé vertrauen; lat. credo vertraue, glaube; altir. cretim glaube. Ermüdung skr. çram-(ràmyate) müht sich ab, wird müde; pte. çrânta ermüdet n. Anstrengung, Ermüdung. vi- sich ausruhen, erholen; vigràma m. Ruhe, Erholung: an. hruma schlaff, matt werden; nhd. Harm, sich abhärmen; urverwandt mit skr. klam- (klàmati) wird müde, erschlafft; griech. laααςsς schlaff; skr. gam-(camyati)= cim- (cimyati) müht sich ab, ermüdet; pte. çänta ruhig, still, sanft, mild; çama m. Gemütsruhe; griech. u mühe mich ab, werde müde, leide; Hοᷣ Mühe, Ermüdung. Verachtung skr. ganga m. Verachtung, Hohn; gangana verachtend höhnend; griech.æyyævsuo verachte, höhne. Süss ahd. suozi süss; lat. suavis angenehm, lieblich; griech. υν süss, angenehm; skr. svâdu süss, angenehm= gut schmeckend, zu skr. svãd-(svàdate) schmeckt gut; griech. v⁶dα freue mich;⁴οσ Vergnügen; α⁴ιόσω gefalle. Scharf, saleig skr. patu scharf von Ge- schmack; patu n. Salz; Aœæruüs scharf, salzig von der Wurzel par durchdringen. Meich skr. mrdu weich; ksl. mladu zart; lat. mollis weich, zart, mild; nhd. mild, Milde, zur idg. Wurzel mel- malmen, zerreiben. Schawer skr. guru; griech. Sαous; lat. gravis; got. kaurus schwer; kaürei f. Schwere; kaüurjan drücken, belasten. Leicht got. leihts leicht; lit. lengvas leicht; skr. laghu leicht. Die Wurzel ist lengh-, skr. langh-(langhate) springt, eilt. Leicht ist das, womit man davonspringen kann.

Vergleicht man nun die Bedeutungen dieser und anderer etymologisch durchsichtiger Ge- fühlsausdrücke, so ergibt sich weiter, dass die Menschen von ihren Gefühlen nur in Metaphern reden konnten und zwar nach folgenden Gesichtspunkten:

1. Der Ausdruck bezeichnet eine durch die innere Empfindung am Subjekte hervorgebrachte Wirkung, einen Körperreflex, ein an- deres mit dem Gefühle regelmässig verbundenes äusseres Zeichen oder Symptom der Empfindung, eine anschauliche Handlung, durch welche sich das Gefühl regelmässig kundgab und be- thätigte.

*) Eine bereits in der ältesten Zeit übliche Form der Brautwerbung. Vgl. das treffliche Buch von O0. Schrader, Sprachvergleichung und Urgeschichte, 2. Auflage. Jena 1890, S. 550 ff.