156 land und Frankreich coordinirt und wie dieſe ein Staat genannt(von dieſen Staaten). Es iſt ſchwierig, ſolche wenig klaſſiſche, aber glänzende Stellen lateiniſch wieder zu geben, wenn man nicht ebenſo glänzend, aber auch ebenſo nachläſſig ſchreiben will. Verſuchen wir übrigens eine Ueberſetzung, in der jedoch die Form des Gleichniſſes am beſten aufgegeben wird. Fax belli(Florus) ex intima Bohemia, Moravia, Austria erumpens Germaniam, Galliam aliasque Europae civitates inflammavit; hae vicissim cultum suum atque humanitatem in illas regiones tamquam lucem transfundent, quae nihil incendet, sed omnia collustrabit. An der Perſoni⸗ fication von fax iſt kein Anſtoß zu nehmen. Cie. in Verr. IV, 31: ut illa flamma divinitus exstitisse videatur, non quac deleret Jovis O. M. templum, sed quae praeclarius magnifi- centiusque deposceret. Lux humanitatis oder auch doctrinarum(mit Plin.) zu ſchreiben, nehme ich Anſtand. Daß hier, wie in den meiſten Fällen auch noch andere Ueberſetzungen möglich und zuläſſig ſind, bedarf für den Kundigen kaum einer Bemerkung. 1
Wenn das behandelte Stück auch nicht ausgiebig genug iſt, um viele Seiten der Stlliſtik zur Anſchauung zu bringen, ſo dürfte es doch hinreichen, auch dem weniger Eingeweihten klar zu machen, welche Bildungselemente in dieſen Uebungen liegen. Kommt der Schüler ſpäter auch nicht in die Lage, Latein ſchreiben zu müſſen: ſeinem deutſchen Stile wird man es anſehen, daß er durch dieſe Uebungsſchule hindurch gegangen iſt. Ein faſt unmittelbarer Gewinn liegt auch darin, daß der Schüler ſeine lateiniſchen Klaſſiker bald mit einem andern Auge lieſt und, wenn er ſie überſetzen ſoll, ſich ſicherer und freier bewegt*). Die Vorzüge, aber auch die Schwächen der Mutterſprache kommen ihm durch die Vergleichung des Deutſchen mit dem Latein erſt zum vollen Bewußtſein. Und wenn er Sinn für ſchönen und edlen Gedankenaus⸗ druck von der Schule mitnimmt, wird man das, da die Jugend immer mehr oder weniger zur Formloſigkeit neigt, gering anſchlagen? Das größte Gewicht lege ich aber darauf, daß der Schüler zur Selbſtthätigkeit durch dieſe Uebungen gebracht wird, da er lediglich auf ſeine eigene Kraft angewieſen iſt. Ueberraſchend iſt auch die Luſt, mit der ſelbſt ſchwächere Schüler, ſobald einmal die erſten Schwierigkeiten überwunden ſind, ſich an dieſen Uebungen betheiligen. Für den ſtrebſamen Lehrer liegt endlich in dieſen Uebungen ein eigenthümlicher Reiz, weil er ſich auf einem Gebiete bewegt, in welchem ein Fertigwerden oder Auslernen unmöglich iſt.
/ 5 *) Für jüngere Lehrer iſt in dieſer Beziehung das Programm von Dr. Georges: Zur Lehre vom Ueber⸗ ſetzen aus dem Lat. ins Deutſche. Gotha 1852, immer noch leſenswerth, wenn der Verf. auch nur einzelne Aus⸗ drücke behandelt, auf die Ueberſetzung längerer und ſchwieriger Perioden aber nicht eingeht.


