Aufsatz 
De Friderico Taubmanno adolescente
Entstehung
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II. Chronik des Gymnaſiums.

Das Schuljahr begann mit dem 30. April v. J. An dieſem und dem folgenden Tage wurde die Prüfung neu angemeldeter Schüler(im Ganzen 27) vorgenommen. Samſtag den 2. Mai allgemeine Verſammlung der Lehrer und Schüler, und Montag den 4. Mai Beginn des Unterrichts, dem in herkömmlicher Weiſe Gottesdienſt in den Kirchen beider Confeſſionen vorausging..

Die Pfingſtferien dauerten vom 30. Mai bis zum 8. Juni.

Am 20. Juli Nachmittags gemeinſamer Spaziergang und zwar der Unterklaſſen nach Limburg, der Oberklaſſen nach Oranienſtein.

Am 24. Juli feierte die Anſtalt das Geburtsfeſt Seiner Hoheit des Herzogs. Nach dem Gottesdienſte in beiden Pfarrkirchen, der katholiſchen und evangeliſchen, begann um 10 Uhr in der feſtlich geſchmückten Aula, in welcher zum erſten Male die Buͤſte Seiner Ho⸗ heit des Herzogs aufgeſtellt war(vergl. vorj. Progr. S. 33), die vom Gymnaſium veran⸗ ſtaltete Feier, zu welcher die Direktion durch ein beſonderes Programm eingeladen hatte. Die Feſtrede(über den Namen Adolph) hielt der Profeſſor Dr. Sporer. Der Nachmittag wurde der geſelligen Unterhaltung in einem Gartenlokale gewidmet.

Mit dem 16. September traten die Herbſtferien ein und dauerten bis zum 14. October. An dieſem Tage wurden 5 neue Schüler geprüft und aufgenommen. Am 15. war die gewöhn⸗ liche Verſammlung und am 16. nahm der Unterricht ſeinen Anfang, Alles in herkömmlicher Weiſe, aber diesmal ohne den Direktor. Derſelbe hatte ſich, wie ſchon oben erwähnt, zur Herſtellung ſeiner Geſundheit kurz nach Pfingſten nach Carlsbad begeben. Von da zuruckgekehrt, brachte er, um ſich pollſtändig zu erholen, eine Zeitlang auswärts bei einem nahen Verwandten zu. Kurz vor dem Schluſſe des Sommerſemeſters traf er wieder hier ein, übernahm auch die Direktionsgeſchäfte; die Betheiligung am Unterrichte aber fiel ihm ſo ſchwer, daß er nur mit großer Mühe den Weg von ſeiner Wohnung in das Gymnaſium zurücklegen und kaum noch eine oder die andere Lehrſtunde halten konnte. Mit ſichtlicher Anſtrengung leitete er noch die Herbſtprüfung und begab ſich darauf abermals zu einem Verwandten, um wenigſtens, wie er mit großer Zuverſicht hoffte, mit dem Beginne des neuen Semeſters wieder dienſtfähig zu ſein. Allein er hat das Gymnaſialgebäude nicht wieder betreten. Etwa vierzehn Tage nach Er⸗ offnung des Winterſemeſters kehrte er hierher zurück, aber in einem Zuſtande, der kaum noch einige Hoffnung auf Wiedergeneſung geſtattete. Am 20. November v. J. Abends gegen 5 Uhr erlag er ſeinem langen Leiden im noch nicht vollendeten 60. Lebensjahre, nach menſchlichem Ermeſſen zu früh für ſeine zahlreiche Familie, zu früh für die hieſige Anſtalt, der er von 1822 bis 1835, als ſie noch ein Pädagogium war, als Conrektor angehört hatte, und die er ſpäter wieder als Rektor und Profeſſor von 1843 1844, und darauf, als ſie zu einem Gymnaſium erweitert worden, als Direktor mit dem Dienſtcharakter eines Herzoglichen Regierungsrathes bis zu ſeinem Tode leitete. 4

Montag den 23. November Vormittags 9 Uhr wurde er von ſeinen Schülern zu Grabe getragen, mit einem zahlreichen Leichengefolge, dem ſich auch der hochwürdigſte Herr Biſchof von Limburg angeſchloſſen hatte, und der von mehr als bloß äußerer Theilnahme zeugte. Die aus tiefbewegter 8 von dem Freunde des Verſtorbenen, dem Herrn Stadpfarrer Hart⸗ mann, am Grabe geſprochenen Worte*) fanden in den Herzen aller Anweſenden den leben⸗ digſten Wiederhall. emn nach der Beerdigung in der ſ. g. Todtenkirche abgehaltenen Todten⸗ amte wohnten alle Begleiter der Leiche ohne Unterſchied der Confeſſion bei.

*) Abgedruckt in dem von G. Seebode berausgegebenen Allgem. Naſſ. Schulblatte von 1857. Nro. 44.