Aufsatz 
Über die Gewöhnung in Schulen / von Conrector Schmidtborn
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Ueber

die Gewoͤhnung in Schulen. Motto:

Se.*** 100 4 ονοι ꝙƷJoͥKti ax⁴ty lr⁴,, I eldc

r' n Taseuεν A εαἀοs.

Plato Apologia Socratis Cap. IV.

Das Erziehungsgeſchäft befaßt alle planmäßigen Einwirkungen auf den jungen Menſchen, durch welche er zu einem Weſen, das von all ſeinen Anlagen denjeni⸗ Pn Gebrauch, der ſeiner Natur angemeſſen iſt, macht, herangebildet werden ſoll. isciplin, ein Theil der Erziehung, ſucht alle Veranſtaltungen, vermittelſt deren die von Schulen bezweckte Bildung leicht erreicht wird, zu treffen. Sie ſchließt auch die abſichtliche Gewöhnung an ein Thun, das den Zwecken der Vervoll⸗ kommnung aller menſchlichen Kräfte entſpricht, in ſich und kann darum ebenſowohl in der Schule als im Haus erfolgen. Im letzteren Fall hört Gewöhnung auf, ein untergeordnetes Glied der Schuldisciplin zu ſein, bleibt aber nach Inhalt, Zweck und Verfahren ſtets in engem Verband mit derſelben. Die weitere Be⸗ trachtung hält die Gewöhnung in Schulen vorzugsweiſe im Auge. Das bezeichnete Thun nennt man recht und gut, das entgegengeſetzte unrecht und bös. Planmäßig will Gewöhnung Erſteres erzeugen, Letzteres verdrängen und damit zunächſt der moraliſchen Erziehung, ſofern ſie das Thun, als Erwei⸗ ſung des Willens, Gewiſſens und Gefühls, zum Objekt ihrer Bildung hat, vor⸗ bereitend und unterſtützend an die Hand gehen. Sie zerfällt daher in eine mehr boſüiwe und in eine mehr negative. Jene, Gewöhnung, führt Belegenheien zu benzerweiſngen wie ſie ſein ſollen, herbei und erregt direct das Thun, wäh⸗ rend dieſe, Ent⸗ oder Ab⸗Gewöhnung, den Keim zum Böſen erſtickt, Veranlaſſun⸗ gen zu demſelben entfernt und der Hinneigung dazu den erforderlichen Widerſtand leiſtet. Alles, was recht und gut iſt, mithin Moraliſches, legt die gewöhnende

1*