Aufsatz 
Darlegung und Prüfung der Kant'schen Kritik des ontologischen Beweises für's Dasein Gottes. Zur Begrüßung der 32. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner
Entstehung
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an dessen Stelle das des Nichtseins tritt, stellt sich nun die Nachricht als irrig heraus, so tritt das Prädikat ⸗Sein- wieder an die Stelle des Prädikats ⸗Nichtsein⸗. Wäre nun aber das Sein wie bei den Dingen an sich, kein vermehrendes Prädikat, sondern fiele mit der Synthese der Prädikate zusammen, so müsste bei der Aufhebung des Seins eines Dings zugleich der Besgriff desselben wegfallen, was doch durchaus nicht der Fall ist. Das Sein kann aber auch mit Recht ein vorzugsweise reales Prädikat genannt werden, denn durch die empirische Existenz eines Dinges erhält sein Begriff den Charakter der Nothwendigkeit. Hat man also den Begriff von hundert Thalern und erhält dieselben auch objectiv, so wird der Begriff durch das Prädikat des objektiven Seins vermehrt.

Durch die Behauptung, dass das Sein kein reales Prädikat im Begriff sei, widerspricht auch Kant seinen Erörterungen über Phänomena und Noumena S. 251, wo er sagt, dass jeder Begriff, der nicht die Möglichkeit besitzt, ihm einen Gegen- stand zu geben, darauf er sich bezieht, völlig inhaltsleer sei, wenngleich er die logische Form habe, aus etwaigen Datis einen Begriff zu machen. Wenn auch eine reine Anschauung a priori möglich sei, so könne diese ihre objektive Giltigkeit nur durch empirische Anschauung bekommen, wovon sie die blose Form sei.

Hieraus folgt mit Sicherheit, dass Kant den Begriff einer objektiven Existenz mehr sein lässt, als den Begriff, welchem keine Existenz entspricht, also sind hundert wirkliche Thaler, wenn sie gedacht werden, mehr als hundert nur gedachte.

Nachdem nun Kant durch den Satz, das Sein sei kein- reales Prädikat im Begriffe, nachgewiesen glaubt, dass durch einen Existenzialsatz, obgleich er synthetisch sei, nie eine

Existenz erschlossen werden könne, kommt er, da er auch jede-