Aufsatz 
Darlegung und Prüfung der Kant'schen Kritik des ontologischen Beweises für's Dasein Gottes. Zur Begrüßung der 32. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner
Entstehung
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beruht. Da wir aber nur durch Wahrnehmung und das dar- auf beruhende Denken zu dem Seienden gelangen, so ist die Setzung des Subjekts nicht anderwärts gesichert, was doch noth- wendige Bedingung für einen kategorischen Schluss aus einer Definition ist. Schliesslich ist das Sein im Denken nicht dem Grad oder der Vollkommenheit nach verschieden von dem ob- jektiven Sein d. h. was die Qualität der Realität betrifft, kön- nen beide überhaupt nicht verglichen werden, geschweige denn, dass von der Existenz des einen auf die des andern ohne Weiteres geschlossen werden könnte.

Hat nun auch Descartes Fehler in seinem Beweise, von denen der Anselmische frei ist, so geht derselbe doch in einem Punkte wesentlich über Anselm hinaus, darin näm- lich, dass er nicht aus der Idee Gottes an und für sich son- dern aus der von Gott in uns bewirkten Idee auf seine Exigtenz schliesst: Deus cogitatur= Deus est.

Der kartesianischen Beweisführung folgt anfänglich auch Leibnitz, später jedoch erkennt er deren Mängel und setzt in seinem Aufsatz: De la démonstration cartésienne de Pewistence de Dieu du P. Lami auseinander, dass die Existenz Gottes durch den kartesianischen Beweis nur dann bewiesen sei, wenn man die Möxglichkeit des vollkommensten Wesens zugebe. Es sei indessen nicht nöthig an dem Prädikat der absoluten Voll- kommenheit, das von Vielen geleugnet werde, festzuhalten, man könne die Frage so stellen: Ist ein. Wesen, welches sein Sein aus sich selbst hat, oder was dasselbe ist, welches absolut noth- wendig ist, überhaupt möglich? Wenn das nothwendige Wesen aber unmöglich ist, dann sind auch alle andern Wesen, welche doch ihr Sein von diesem haben müssen, unmöglich. Wenn also das nothwendige Wesen nicht existirt, dann giebt es nichts, was möglich sein kann.