Aufsatz 
Untersuchungen über das hessische Schulwesen zur Zeit Philipps des Grossmütigen / von Max Georg Schmidt
Entstehung
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Einleitung.

Es wäre höchst einseitig, wenn man die Reformation nur nach der Richtung hin würdigen wollte, daſs man ihre Folgen für unser religiöses und gesamtes geistiges Leben in Berücksichtigung zieht. Auch auf die politische Entwickelung unseres Vaterlandes hat sie Rückwirkungen von weittragendster Bedeutung ausgeübt und ins- besondere jene Bewegung begünstigt, die mit ihren Wurzeln in frühere Jahrhunderte zurückreicht, und die dann in der Zeit nach dem dreilſsigjährigen Kriege ihren Abschluſs erlangt: Das ab- solute Fürstentum verdankt der Reformation in mehrfacher Be- ziehung eine wesentliche Förderung.

Die Vernichtung der kaiserlichen Macht infolge der italienischen Politik und des Kampfes mit dem päpstlichen Stuhl, das Zurück- treten des Rittertums seit Erfindung des Schielspulvers, der Nieder- gang des Städtewesens seit der Verschiebung der Handelswege im Entdeckungszeitalter das waren die Quellen, aus welchen die unumschränkte Herrschaft des Landesherrn hervorging. Aus der grolsen geistigen Bewegung des 16. Jahrhunderts schöpfte das Fürstentum neue Kraft. Der Spruch des Augsburger Religions- friedens, welcher den Reichsständen die höchste Entscheidung über Glaubenssachen zuerkannte, übertrug in den protestantischen Ländern das kirchliche Ansehen, welches bislang der Papst genoſs. auf den Landesherrn und umkleidete dadurch sein Haupt mit dem Nimbus der Majestät. Dazu mehrte sich jetzt die materielle Macht der Fürsten in ungeahnter Weise. Sie erklärten zumeist nach ihrem Uebertritt die reichen Besitztümer der katholischen Kirche alsherrenloses Gut und nahmen sie, auf alten Rechtsgrundsätzen fuſsend, zur Vermehrung ihrer Territorialmacht in Besitz.

Freilich erwuchsen dem Landesherrn nicht nur vermehrte

Rechte, sondern auch erhöhte Pflichten aus der Reformation. Da- 1*½