Aufsatz 
Beiträge zur Frage der rationelleren Gestaltung des Gesangunterrichtes an den Gymnasien : mit besonderer Berücksichtigung der hessischen Verhältnisse
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Beiträge zur Frage der rationelleren Gestaltung des Gesangunterrichts im Gymnasium

mit besonderer Berücksichtigung der hessischen Verhältnisse

von

Dr. Karl Schmidt.

Möchte die nachstehende Arbeit(Plews) dazu beitragen, die Uberzeugung allgemein zu verbreiten, dass der Gesangunterricht, an höheren Lehranstalten ein durchaus jedes wissenschaftlich gebildeten Lehrers würdiges Fach ist, dessen Ausfüllung neben der erforderlichen Begabung eine allseitige feine Bildung erheischt, dessen unmittelbare Einwirkung auf Geist und Gemüt der Zöglinge die Kenner des Altertums wissen das ja pei richtiger Führung von keinem anderen Schulfache übertroffen werden dürfte.

Dr. Baumeister in der Vorbemerkung zu Plews Abhandlung über den Gesangunterricht. (Hdb. d. Erz. u. Unterrichtslehre IV, 2, 4.)

Es liegt kein dringendes Bedürfnis vor, die Zahl der Abhandlungen über den Gesangunterricht an höheren Schulen durch eine neue zu vergrössern, besitzen wir doch eine nicht unbedeutende Zahl tüchtiger Arbeiten auf diesem Gebiete. Weil aber der praktische Erfolg, den man für die Gesamtheit von ihnen erhoffen durfte, bisher meist ausblieb, kann der Vorstoss gegen die wider- strebenden Elemente nicht oft genug wiederholt werden. Andrerseits glaube ich, dass meine Arbeit durch die Gestaltung der Forderungen, die von den für unser Fach thatsächlich vorliegenden und nur schwer zu beseitigenden Existenzbedingungen beeinflusst sind, sich nicht unwesentlich von manchen anderen unterscheidet, deren praktischer Wert durch die zwar löblichen, aber die bestehenden Ver- hältnisse verkennenden Ansprüche schon von vornherein stark gemindert wird.

Die vorliegende Arbeit selbst ist bereits im Jahre 1893 während meines Aufenthalts im pädagogischen Seminar zu Giessen entstanden. Obgleich nun in den verflossenen Jahren manches über den Gesangunterricht geschrieben wurde in der Zwischenzeit sind sogar mehrere Fach- zeitschriften auf dem Büchermarkt erschienen, kann ich sie, von einigen Anderungen und Er- weiterungen abgesehen, in der Form wiedergeben, in der sie damals vorlag. Einzelne Gedanken habe ich selbst bereits veröffentlicht ¹), die, soweit mir das bekannt geworden ist, wenigstens in éiner ähnlichen Arbeit ²) Billigung fanden. Die Arbeit selbst soll nur Beiträge zur Neu-Gestaltung des Gesangunterrichts an den Gymnasien liefern, sie schliesst deshalb die grundlegenden Fragen, deren definitive Lösung schon längst gefunden ist, aus.(Einfluss der Musik auf die ethische Ent- wickelung, Berechtigung des Gesangunterrichts, hygieinische Vorteile des Singens u. s. w.). Einzelne Hinweise auf die reichhaltige Litteratur sind neu hinzugefügt, sowie auch die wichtigeren Er- scheinungen der letzten Jahre angemerkt.

Wer einigermassen den Betrieb des Gesangunterrichts an den höheren Lehranstalten kennen gelernt hat, wird zugeben, dass dieser an den meisten Anstalten trotz aller Warnungen und Vor- schläge berufener Männer nicht so beschaffen ist, wie er der Natur der Sache nach beschaffen sein

¹)Die Aufgaben der höheren Schulen in der Musik(unter dem Pseudonym E. Reyem) im Centralblatt für Instrumentalmusik u. s. w. 1896 Nr. 3 S. 60 ff; abgedruckt in der Zeitschrift für den musikalischen Unterricht an den höheren Lehranstalten Jahrg. I S. 59 ff.

²) Klassert, die Musik als Erziehungsmittel, Mainz 1896. Progr.

1. Negatives.