Aufsatz 
Über den höchsten Zweck des grammatischen Unterrichts in der deutschen Sprache / vom Conrektor Schmidtborn
Entstehung
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maler Bildung überhaupt durch jeglichen Unterricht das Wort hier re⸗ den zu wollen, weil das charakteriſtiſche Zeichen der Lehrmethode in un⸗ ſerer Zeit gerade darin beſteht,(wenigſtens in der Theorie!!?) daß alle Lehrfächer beſonders im Anfang nicht des Wiſſens, ſondern des Gewinns für die Denkkraft wegen betrieben und darum in einer Weiſe, welche dieſes Ziel begünſtigt, behandelt werden. Dagegen kommt es nach dieſen feſtſtehenden Vorausſetzungen an dieſem Orte auf den Nach⸗ weis an, daß derjenige grammatiſche Unterricht in der deutſchen Sprache, welcher den fraglichen Zweck als den wahren anerkennt und verfolgt, ſeines eignen Gedeihens wegen nicht umhin könne, das niedere und hö⸗ here Erkenntnißvermögen in Thätigkeit zu verſetzen und vermittelſt dieſer Thätigkeit die Kraft und Vollkommenheit deſſelben zu erhöhen. Aus dem oben berührten Verhältniß des Sprechens zum Denken erſahen wir bereits, daß beide eine unzertrennliche Einheit ausmachen. Die Rede erſchien uns als das Produkt des Geiſtes, als ein vernehm⸗ lich gewordenes Denken, ſofern Begriff und Gedanke den Urgrund und Inhalt der Sprache bilden, indem das Wort den Begriff und der Satz den Gedanken äußerlich darlegt; aber auch als die Bedingung des Den⸗ kens ſelbſt, ſofern bemerkt wurde, daß der Menſch zum erfolgreichen Denken und zur beſtimmten und klaren Geſtaltung deſſelben die Sprache als Medium abſolut nöthig habe*). Und gerade die Mutterſprache bleibt mit dem Denken ſelbſt des Erwachſenen, auch wenn er andere Sprachen verſteht, fortwährend ſo innig verſchmolzen, daß er ſich den größten Zwang anthun muß, um in einer fremden Sprache zu denken,

malige Bedeutung des Gedankens, der Begriff die Hauptſache, das aͤu⸗ ßere Merkmal aber immer nur als Nebenſache zu betrachten ſei« Anmerk. 2. Lorberg:»Zweck des Sprachunterrichts iſt Befoͤrderung der geiſtigen Bildung uͤberhaupt, Uebung des Denkvermoͤgens und richtige Auffaſſung der Geſetze des menſchlichen Geiſtes. Der Sprachunterricht iſt eine praktiſche Logik.« Anmerk. J. Roſſel nennt den Sprachunterricht die Philoſophie der Volksſchule.. *) Anmerk. Schmitth. Meth. 42:»Die Sprache iſt ein lautes Denken, wie das Denken ein ſtummes Sprechen und die Grammatik ebenſo die Wiſſen⸗ ſchaft des lauten Denkens, wie die Logik des ſtummen Sprechens.«