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dem keiner, der ihn näher geſtanden hat, innige Liebe, tiefe
Achtung, ja ſogar aufrichtige Bewunderung verſagen konnte.
Wilhelm Pflücker war ein von Natur ungewöhnlich begabter
Menſch, der es wohl verſtanden hat, mit dem ihm ver⸗
liehenen Pfunde zu wuchern. Pflücker hatte einen ſcharfen,
durchdringenden Verſtand, eiſernen Willen und aufopfernde
Liebe zu der Jugend, die das Wort wohl rechtfertigte, das
in der trefflichen Grabrede geſagt wurde,„daß er nie als
Knecht gearbeitet habe“. Während ſeiner mehr als 20 jäh⸗
rigen Tätigkeit in Wildungen fand er neben der oft drücken⸗
den Laſt der Berufsgeſchaͤfte doch noch Zeit, ſich einen Wiſ⸗ ſensſchatz anzueignen, wie ihn nur wenige beſitzen. Die
Bedeutung und der Ruf der Wildunger Schule gründete
ſich allein auf ſeine kraftvolle Perſönlichkeit, und 1868 bei
einer Reviſion der Wildunger Anſtalt erkannte Geheimrat
Wieſe, daß die Bedeutung der dortigen Schule mit dem
Namen Pflücker zuſammenhinge.
Als Pflücker 1869 nach Arolſen als Rektor berufen wurde, erwartete ihn hier zunächſt eine übergroße Arbeitslaſt, ver⸗ bunden mit vielen Unannehmlichkeiten und ſtarken Auf—⸗ regungen, galt es doch die Reorganiſation der geſamten Schule nach ganz anderen Prinzipien als den bisher be⸗ folgten. Auch hier bewährte er ſich als tüchtiger, prakti⸗ ſcher Schulmann, da ihm dieſe Arbeit in kurzer Zeit gelang. Pflücker war in ſeinem Unterricht klar und anſchaulich, gründlich und ſtets zum Denken anregend. Doch über dem Lehrer ſtand noch der Menſch. Er war einer von denen, die man nur ſelten ohne geiſtige Anregung und Belehrung verläßt. Die Wahrheit hielt er immer hoch und war ein Mann von ſeltener Überzeugungstreue.“
Als Nachfolger Pflückers wurde der Oberlehrer Böſch, zu⸗ vor am Gymnaſium und der Realſchule zu Minden, gewählt und Herbſt 1873 eingeführt. Bisher hatte die höhere Bürgerſchule immer noch unter der waldeckſchen Schulordnung von 1855 ge⸗ ſtanden. Sie wurde als eine Erweiterung der niederen ange⸗ ſehen, und man nahm an, daß ſie ſich unmittelbar an die erſte


