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angedeutet, Ruodi ist der einzige Fischer unter den Rütliverschworenen aus Uri, und sonst weist das Personenverzeichnis überhaupt keinen andern Eischer auf.
Alle diese Schwierigkeiten werden gelöst durch die Annahme, dass der am Schluss zugefügte Auftrag Tells an sein Weib und die Rütli- verschworenen ein nachträglicher Zusatz ist, um zwischen der»Tellreihe« und der»Rütlireihe« eine ursprünglich schwerlich beabsichtigte Brücke zu schlagen; denn nach dem ursprünglichen Plane sollte Tells That reine Privatrache sein. Dann hätte sich Schiller in der ersten Fassung wirklich einen beliebigen Fischer mit seinem Knaben gedacht, bei deren dramatischer Gestaltung er freie Hand hatte, und beide erst nachträglich mit Ruodi und Jenni identifiziert.
So müssen wir denn die ibelstände in den Kauf nehmen, die hier das Streben nach dramatischer Einheit, dort bei dem von Shakespeare ent- lehnten Motiv der Drang nach dramatischer Wirkung hervorgerufen hat. Sie ästhetisch befriedigend aufzulösen, sind wir ausser stande, wohl aber, sie kritisch zu erklären; aber auch damit erfüllen wir eine Ehrenpflicht dem letzten Meisterwerke unsers grössten Dramatikers gegenüber.


