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Ein natürlicher Anknüpfungspunkt ist aber auch hier die Geschichte der engeren Heimat, wenn auch nicht alle Bilder für das Aufsuchen der heimatlichen Beziehungen gleich geeignet sind. Nahe liegt die Anknüpfung bei den Bildern: die Römer in Deutschland, Boni- fatius, die Befreiungskriege, der Krieg 1870/71. Bei Karl dem Grossen und Otto I. kann man ihre Beziehungen zu Lorsch in den Vordergrund stellen. Für Karl kommen ausserdem Trebur und Dreieichenhain in Betracht. Bei Friedrich Barbarossa lässt sich ausser den Hohenstaufen- palästen zu Wimpfen, Seligenstadt und Gelnhausen an das Reichsfest in Mainz erinnern. Bei Maximilian kann man von seinem wiederholten Aufenthalt in Worms ausgehen. Für den Grossen Kurfürsten und für Friedrich den Grossen dagegen werden sich wenig Anhaltspunkte finden.
In einem Fall könnte die Beziehung zur Heimat für die Wahl des Bildes selbst ent- scheidend sein. Denn Schulen, in denen nicht eine eingehendere Behandlung der Reformations- zeit dem Religionsunterricht vorbehalten bleibt, werden dem Bilde„Maximilian“ ein Bild „Philipp der Grossmütige“ vorziehen. So würde der Schüler mitten in die Zeit der Refor- mation hineingeführt. Philipp selbst ist eine heldenhafte Erscheinung und der bedeutendste unter den protestantischen Fürsten der damaligen Zeit. Dazu kommt, dass hier die hessische Geschichte aus ihrem engeren Rahmen heraustritt und für das ganze Vaterland Bedeutung gewinnt. Philipp der Grossmütige würde ausserdem einen guten UÜbergang bilden zu den folgenden Bildern. Der Schüler hat ja bei Friedrich Barbarossa in Heinrich dem Löwen ein Beispiel des selbständig aufstrebenden Fürstentums gesehen. Inzwischen ist die Macht des Kaisers so geschwächt worden, dass Fürsten von mittelmässig grossen Staaten, wie Philipp der Grossmütige, eine entscheidende Rolle zu spielen im stande sind. Die folgenden Bilder aber zeigen, wie nicht mehr die Macht des Kaisers ausschlaggebend ist für die Entwicklung Deutschlands, sondern das aus kleinen Anfängen sich aufarbeitende Preussen.
Zu diesen Bildern aus der deutschen Geschichte könnten in Quinta entsprechende Bilder aus der griechischen und römischen Geschichte treten, deren Behandlung auch im lateinischen Unterricht Anknüpfung fände. Auch hier würde, wie bei der Sagengeschichte in Sexta die Parallelbehandlung beider Stoffe sich vorteilhaft erweisen. Für die inhaltliche Verknüpfung aber des deutschen und des lateinischen Unterrichts in den unteren Klassen könnte es vorteil- haft erscheinen, wenn beide Fächer sich in Sexta mit sagenhaften, in Quinta mit geschicht- lichen Stoffen vorwiegend beschäftigten.
Mittelklassen.
Den ersten zusammenhängenden Unterricht in der deutschen Geschichte bietet die Tertia. Auf dieser Altersstufe wird man mit dem Umstande rechnen, dass das Gedächtnis bis zum 14. oder 15. Jahre seine Aufnahmefähigkeit und Kraft ungeschwächt behält. Denn so allein ist es möglich, dass die zahlreichen Vorstellungen, die hier zum erstenmal an den Schüler heran- treten, im Bewusstsein erhalten bleiben. Und es ist eine bekannte Thatsache, dass ge- rade die Details in diesem Alter fest im Gedächtnis haften, während der allgemeine Zu- sammenhang leichter vergessen wird. Der Unterricht prägt also mit starker Inanspruchnahme des Gedächtnisses dem Schüler die Fülle der geschichtlichen Thatsachen ein. Er darf dabei nicht nur ins Detail gehen, sondern er muss es sogar thun.
Während auf der Vorstufe des Unterrichts einzelne Abschnitte aus der heimatlichen Sage und Geschichte je nach Bedürfnis herangezogen wurden, bleibt es der Mittelstufe vor- behalten, ein zusammenhängendes Bild der Heimatgeschichte im Anschluss an den ersten zusammenhängenden Unterricht in der deutschen Geschichte zu geben.


