Beiträge zur inneren Geschichte Athens in der zweiten Hälfte des peloponnesischen Krieges.
Von
Gymnasiallehrer Ferd. Schmidt.
Die Entwicklung der athenischen Demokratie ist eine der lehrreichsten und interes- santesten Epochen der alten Geschichte und nicht mit Unrecht haben die gründlichsten Kenner des Alterthums, Boeckh, C. Fr. Hermann, Schoemann, Wachsmuth ihren ganzen Scharfsinn und ihre ganze Gelehrsamkeit aufgeboten, um die Entstehung, die Blüthe und den Verfall derselben klar darzulegen. Aber andererseits ist der Gegenstand sehr schwie- rig, da die Geschichtschreiber des Alterthums gerade bei der Darstellung der inneren Ver- hältnisse der Staaten sich mit wenigen Andeutungen begnügen und die Werke, die sich speciell mit den Verfassungsverhältnissen beschäftigen, wie des Aristoteles z0⁄⁊εαꝭ, bis auf ganz geringe Bruchstücke verloren sind. Sind wir daher auch über die Grundzüge der Ver- fassung der hauptsächlichsten griechischen Staaten, namentlich Athens und Sparta's, sowie über die Wandelungen, welche sie im Laufe der Jahrhunderte erfuhren, genügend unter- richtety so ist dennoch bei der Einzelbetrachtung der Combination ein weiter Spielraum geboten; ja wir sind bei dem Mangel an hinreichend schlagenden Beweisstellen in sehr vie- len Fällen auf Wahrscheinlichkeitsrechnung angewiesen, wie auch aus dieser Abhandlung hervorgehen wird.
Als der eigentliche Begründer der athenischen Staatsverfassung gilt bekanntlich Solon. An seinen Namen knüpft die Tradition alle jene wesentlichen Staatseinrichtungen, die den Grund zu Athens Grösse legten, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, in welchen Fällen Solon an bereits vorhandene Institutionen anknüpfte und in welchen er ganz neue schuf. Unter den Pisistratiden konnte seine Verfassung naturgemäss keine Weiterbildung erfahren, wenn auch dafür gesorgt wurde, dass dieselbe in allen wesentlichen Punkten erhalten blieb.
Erst nach Vertreibung derselben entwickelte sich die solonische Timokratie in ver- schiedenen Phasen zur vollendeten Demokratie. Die Namen des Klisthenes, Aristides und Perikles kennzeichnen diese Entwicklung bis zu ihrem Höhepunkt. Den Grund legte Klisthe-
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