Aufsatz 
Eine historische Abhandlung [De moribus veterum Britannorum] / vom ... Bernhard Schmidt
Entstehung
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II. Chronik.

Das Sommersemester und mit ihm das neue Schuljahr begann am 19. April 1871.

Mit dem 1. April 1871 wurde der Gymmasialdiener Schmidt pensioniert. An seine Stelle trat der bisherige Hülfsdiener Johann Heinrich Melcher.

Am 26. April 1871 starb der Gymnasiallehrer Dr. Lotz nach längerem Brustleiden. Das Gymnasium verlor an ihm einen reichbegabten pflichttreuen Lehrer, der sich während seiner fünf- jährigen Wirksamkeit hier die Achtung und Liebe seiner Collegen und seiner Schüler in hohem Grade zu erwerben gewuszt hatte.

In Folge der eingetretenen Vakanz wurde der cand. theol. Engelhard mit Aushülfeleistung am Gymnasium beauftragt.

Otto Engelhard, geboren zu Wolfhagen am 11. November 1844, war von Ostern 1854 bis Ostern 1863

Schüler des hiesigen Gymnasiums, studierte hierauf bis 1867 Theologie und Philologie in Marburg, bestand im Frühjahre 1867 die theologischen Prüfungen zu Marburg und Cassel, und war dann fast vier Jahre lang Hauslehrer.

Der Gymnasiallehrer Zuschlag erlangte durch die dem vorigen Programm vorgedruckte phy- sikalische Abhandlung bei der Universität zu Marburg die philosophische Doctorwürde.

Der Oberlehrer Casselmann war auch während der ersten Wochen des Sommersemesters durch Krankheit an der Wiederaufnahme seiner Lehrerthätigkeit gehindert und nahm bis zu An- fang Juni die bereitwilligst übernommene Vertretung von Seiten seiner Collegen in Anspruch.

Ferien waren während des Sommerhalbjahres vom 3. bis zum 30. Juli. An der während derselben abgehaltenen Ferienschule nahmen 58 Schüler Theil.

Die Abiturientenprüfung zum Herbsttermin 1871 wurde in ihrem schriftlichen Theile vom 14. bis zum 19. August, in ihrem mündlichen Theile unter dem Vorsitze des Provinzial Schulraths Dr. Rumpel am 9. September abgehalten.

Den 2. September als den Tag besonderer Erinnerung an den groszen Krieg von 1870/71 und die Erfolge desselben beging das Gymnasium mit einem Schulfeste. Dasselbe begann Vormittags 9 Uhr mit einem Choral und einem von dem Director gesprochenen Gebet nebst Bibellection. Hierauf schilderte Dr. Zuschlag die Hauptbegebenheiten jenes Krieges und vornehmlich des Tages von Sedan; daran schlosz sich der Vortrag patriotischer Declamations- und Gesangsvorträge von Seiten mehrerer Schüler. Nachmittags zog die gesammte Schule mit ihren Klassenfahnen unter Musik nach der Knallhütte und verbrachte daselbst einige Stunden mit frohen Liedern und heiteren Spielen.

Das Sommerhalbjahr wurde am 23. September beschlossen; das Winterhalbjahr begann am 10. October 1871. Mit demselben trat an die Stelle des zu Ende Septembers an die Realschule zu Schmalkalden abgegangenen Dr. Luduig der Hülfslehrer Püttgen ein. Zu gleicher Zeit machte die Errichtung einer Herbst-Quinta die Bestellung eines weiteren Lehrers nöthig, und es wurde der dem Gymnasium als Probe-Candidat zugewiesene Candidat des höheren Schulamts Dr. Osthoff

mit Versehung einer Lehrerstelle beauftragt.

Johann Püttgen, geboren zu Altdorf in der Rheinprovinz am 20. Januar I839, katholischer Confession, erhielt seine Gymnasialbildung zu Düren und Aachen, studierte seit Herbst 1859 in Bonn und in Berlin, bis er im December 1865 in Berlin die Prüfung pro facultate docendi bestand. Von Ostern 1866 ab hielt er am Gymnasium zu Coblenz sein Probejahr ab und war dann drei Jahre lang Hülfslehrer am Gymnasium zu HIadamar.