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Dr. Becker, welcher eben ſein Probejahr an derſelben Anſtalt beendigt hatte und Genßler, vorher am Gymnaſium zu Fulda beſchäftigt. Der evangeliiſche Religionsunterricht wurde dem neuen Pfarrer der evangeliſchen Gemeinde, Goez, bis dahin Lehrer an dem Schullehrer⸗ ſeminar zu Uſingen, übertragen. Damit waren die erforderlichen Lehrkräfte wiedergewonnen.— Durch Verfügung des Königlichen Provinzial⸗Schulcollegiums vom 17. December 1869 wurden der bisherige Collaborator Ricker und Dr. Schlüter zu ordentlichen Lehrern an dem Gym⸗
naſium ernannt. Ueber des letzteren Lebensumſtände mögen die folgenden Nachrichten hier ihre Stelle finden.
Joſeph Schlüter, geboren am 30. Juni 1833 zu Arnsberg, wo ſein Vater, jetzt Director des Gymnaſiums zu Coesfeld, damals Gymnaſial⸗Oberlehrer war, erhielt ſeine Vorbildung auf dem Gymnaſium zu Arnsberg und zu Coesfeld und beſuchte die Akademie zu Münſter vom Herbſt 1852 bis Herbſt 1855, ſodann die Univerſität zu Göttingen bis Herbſt 1856. Im Sommer 1857 wurde er zu Münſter rite zum Dr. phil. promovirt und ſetzte dann ſeine Studien auf den Univerſitäten zu Berlin und zu Bonn im Jahre 1859 und 1860 fort. Nachdem er ſich im Winter 1861 vor der wiſſenſchaftlichen Prüfungs⸗Commiſſion zu Münſter der Prüfung pro facultate docendi unterzogen hatte, hielt er von Oſtern 1861 bis dahin 1862 an dem Gymnaſium zu Coblenz das vorſchriftsmäßige Probejahr und wurde hiernach an dem Gymnaſium zu Emmerich und zu Coblenz bis Herbſt 1866 beſchäftigt. Nach vorherigen Privatſtudien unterzog er ſich im Winter 1868 zu Münſter einer zweiten, ergänzenden Prüfung und unterrichtete dann von Pfingſten 1868 bis Oſtern 1869 an dem Gymnaſiun zu Münſter. Herausgegeben hat der⸗ ſelbe, außer einzelnen Abhandlungen in Mützell's Zeitſchrift: Allgemeine Geſchichte der Muſik, Leipzig 1863, wovon 1865 zu London eine autoriſirte Ueberſetzung erſchien.
Das Schuljahr wurde am 16. April in der herkömmlichen Weiſe feierlich eröffnet.
Pfingſtferien waren vom 15. bis zum 24. Mai.
Am 14. Juni veranſtaltete das Gymnaſium zum Andenken an die am 12. Juni erfolgte zweite Gründung desſelben eine Feierlichkeit nach folgendem Programm:
I. Vormittags 8 Uhr Gottesdienſt in den Kirchen beider Confeſſionen. II. Vormittags 9 ½ Uhr Feſtactus in der Aula des Gymnaſiums. 1) Jubelouvertüre v. C. M. v. Weber, vorgetragen von den Oberprimanern J. Harth und Fr. Bertram. 2) Einleitende Feſtworte, geſprochen von dem Director. 3)„Harre des Herrn!“ Chorgeſang von Cäſar Malan. 4) Feſtgruß, vorgetragen von dem Unterprimaner J. Mathi. 5)„Laus artium ingenuarum“, Vor⸗ trag des Oberprimaners A. Heibel. 6)„Auf und laßt die Fahnen fliegen“, Lied für Männerchor, aus der Oper „Jeſſonda“, von Spohr. 7) Horatii Od. I. 14, vorgetragen von dem Oberprimaner J. Hellbach. 8) Homer. II. I, 53— 83, vorgetragen von dem Unterprimaner A. Isbert. 9) Pſalm 149, vorgetragen von dem Oberprimaner Fr. Hannappel. 10) Variationen von Hünten, vorgetragen von dem Unterprimaner Ant. Röhrig und dem Oberſecundaner K. Meiſter. 11)„Le retour dans la patrie“, par Béranger, vorgetragen von dem dem Oberſecundaner Fr. Seck. 12)„The three Homes;,“ vorgetragen von dem Unterprimaner Th. Heiler. 13) Die Traumdeutung, Gedicht Walthers von der Vogelweide, vorgetragen von dem Unterprimaner A. Horn. 14) Feſtrede, gehalten von Profeſſor Meiſter, über die Geſchichte des Gymnaſiums. Der geſchichtliche Theil dieſer Rede iſt im Weſentlichen oben als Abhandlung mitgetheilt.— 15)„Schifferabend“, Quartettt von Methfeſſel. 16) Schillers Lied von der Glocke, dramatiſch vorgetragen von den Oberprimanern Alberti, Bertram, Diefenbach, Habig, Harth, Henkes und Kremer. 17)„Das Thälchen der Heimath“, Chorgeſang von Struth.— III. Nachmittags 3 Uhr: Feſtlichkeit auf dem Turnplatz.
In Folge der lebhaften Anregung und Theilnahme von ehemaligen Schülern und Lehrern der Anſtalt und von Einwohnern Hadamars erhielt die Feier dieſes Tages eine erweiterte Bedeutung durch die Veranſtaltung eines Feſteſſens und eines Feſtballes, ganz beſonders aber durch die freundliche Bewirthung der jetzigen Schüler des Gymnaſiums bei dem Feſtturnen auf dem Turnplatze, welche von Familien der Stadt und der Umgegend ausging. Die Stim⸗ mung der zahlreich Verſammelten war ſo heiter und gemüthlich, daß ſelbſt ein plötzlicher, glücklicher Weiſe nur kurze Zeit anhaltender Platzregen kaum auch nur einige Störung zu bewirken vermochte.


