Zur Geſchichte des Gymnaſiums.
I. Das Jeſuiten⸗Gymnaſium(1652— 1772).
Das Gymnaſium zu Hadamar(Gymnas. Aloysianum), deſſen Geſchichte in vier an Umfang und Bedeutung ſehr ungleichen Perioden verläuft, verdankt ſeine erſte Gründung dem Fürſten Johann Ludwig von Naſſau⸗Hadamar, dem Sohne Johanns VI. des Aelteren, einem der bedeutendſten und einflußreichſten deutſchen Fürſten im 17. Jahrhundert, der die Verhandlungen des Weſtphäliſchen Friedens zu Münſter und Osnabrück nebſt dem Schweden Oxenſtierna vorzugsweiſe leitete und zum Abſchluſſe bringen half. Er iſt auch als der eigentliche Erbauer des Fürſtenſchloſſes, in welchem jetzt das Gymnaſium ſich befindet, und der Stadt Hadamar in ihrer jetzigen Geſtalt anzuſehen 1). Im Jahre 1629 zur katho⸗ liſchen Kirche zurückgekehrt, faßte er, ein Freund der Jugendbildung, wie alle Naſſauiſchen Fürſten, den Entſchluß, ein Collegium der Jeſuiten, welche er ſchon 1630 berufen hatte, nebſt einem damit verbundenen Gymnaſium zu errichten. Nach einem mit dem Churfürſten von Trier und ſeinen proteſtantiſchen Agnaten von Diez und Dillenburg wegen der Kloſtergüter geführten Proceß und geſchloſſenen Vergleich und Austauſch ſtiftete und fundirte er das Gymnaſium durch Urkunde vom 3. October 1652 ²) ſo reichlich mit liegenden Gütern, Zehnten, Grundzinſen, Gilten, welche den Klöſtern Beſelich, Dierſtein(Oranienſtein), Thron und Gnadenthal gehört hatten, daß die Anſtalt auch dann noch ausreichende Subſiſtenzmittel fand, als die Güter von Dierſtein, Thron und Gnadenthal von den Territorialherrn beſchlag⸗ nahmt worden und deshalb nie in den Beſitz der Jeſuiten gekommen waren ³).
Es gehörten nunmehr zur Dotation des Gymnaſiums und befanden ſich in deſſen Beſitz:
1. Das Kloſter Beſelich nebſt dem großen Hof daſelbſt, und den zugehörigen Gütern und Renten zu Schupbach, Hoben, Selbach, Gaudernbach, Wirbelau, Heckholzhanſen, Haſſelbach, Falkenbach.
1) Hadamar iſt übrigens eine alte Stadt, welche urkundlich ſchon 833 genannt wird.
2) Das Original iſt dem Diarium soc. Jes. Had., welches ſich in dem kathol. Pfarrarchiv dahier befindet, beigebunden; vollſtändig abgedruckt in der„Rechtlichen Ausführung ad causam des H. Prinzen von Oranien ꝛc. s. l.& a. Vgl. Wagner, die Regentenfamilie von Naſſau⸗Hadamar, 2 Bde., Wien 1863, 2. Aufl. Kehrein, Geſch. d. Gym. zu Had., Progr. v. J. 1848.— Schmal, historia dom, soc. Jes. Hadam. coepta ab a. 1630. Manuſcript im Pfarrarchiv dahier.— Wiltheim, Vita excell. Dom. Joh. Ludovici princ. Hadam. Maruſecript ebendaſelbſt.
3) Johann Ludwig hatte vom Kaiſer Ferdinand II. 1630 und von dem Papſte Urban VIII. durch Breve v. 12. April 1631 die Erlaubniß erhalten, die in ſeinen Landen gelegenen, mit ſeinem jüngeren Bruder Ernſt Caſimir von Naſſau⸗Diez gemeinſchaftlichen Güter der aufgehobenen Klöſter Beſelich, Dierſtein, Thron, Gnadenthal und des Stiftes zu Diez zu katholiſch kirchlichen Zwecken verwenden zu dürfen. Nach einem mehr als 20 jährigen Proceß mit den Agnaten erhielt er gegen gewiſſe Verzichtleiſtungen und Abtretungen erb⸗ und eigenthümlich:
1. Das Kloſter Beſelich mit allem Zugehörigen. 2. Was der hohen Schule zu Herborn und dem Stifte Diez von der Brötzenmühle zuſtand. 3. Die beiden Höfe zu Offheim und Ahlbach, welche der Schule und dem Stift gehört hatten.


