einer Fee verflucht wird,— huh huh, weil ſie ſo garſtig— zu ihrer Mutter iſt, und gleich— im Anfang, huh, muß ich zum Spiegel ſagen: Du zeigſt mir täglich, daß ich ſchön bin!“— Und— hubhuh, ich bin doch garnicht ſchön!!—„Liebes Kind!“ ſagt meine gute Mutter,— am liebſten wäre ſie vor Lachen losgeplatzt, aber mein Kummer war ernſt, ſo blieb ſie es auch— das iſt doch nicht ſchlimm! Weißt Du, auf der Bühne ſind ſie auch nicht immer ſo ſehr ſchön. Du kriegſt rote Bänder in die Zöpfe und ein ſamtnes Mieder, ſollſt mal ſehen, wie fein das wird!“—„Aber— ſie wiſſen doch— wie— ich ausſeh'“— das Schluchzen ebbt ſchon ab,—„Dummes Zeug!“ meine Mutter wird energiſch, was ihr viel gemäßer iſt,„Du lernſt Deine Rolle und gibſt Dir Mühe, und biſt Fräulein von Szezepanski ſehr, dantban⸗ daß ſie Dich gerade dazu genommen hat, das bitt ich mir aus!“—
Ich gab mir Mühe und war dankbar, aber die Sache wuchs ſich zu einem Martyrium aus, und nicht für mich allein. Auch Fräulein von Szczepanski bekam ihr Teil daran. Zunächſt wurde in der deutſchen Stunde,— war es bei Frl. Sonnenfeld, der Gemütlich-Guten, unſrer „Sonneblum“?— die Rollenverteilung in erſter Leſeprobe geleſen. II. Akt: Die Verfluchte!— Die Verfluchte?! Wer ſpielt die?—„Jula Walther! — Die Verfluchte— Jula Walther!“— ſchrie die Klaſſe ſelig, und die Verfluchte, glutübergoſſen, erhob ſich. Das runde, rotwangige Geſicht der Lehrerin ſchmunzelte in allen Grübchen. In den Boden hätt' ich ver— ſinken mögen!— Und dann die Proben, dieſe Proben! Im reizloſen Klaſſenzimmer, das der Fantaſie ſo gar keine Handhabe bot, in der in's Nichts niederdrückenden Gegenwart Fräulein von Szezepanskis, unter dem Grinſen der Mitſchülerinnen— ich blieb ſteif wie Holz.— Sie nahm mich allein, ſie lag vor mir auf den Knieen, nicht um mich anzuflehen, ſondern mir vorzuſpielen, wie ich die mich verwünſchende Fee anzuflehn hatte. Das ſchlug dem Faß den Boden aus. War ich ſeither nur aus Holz, ſo verſteinte ich nun völlig.
Kopfſchüttelnd, total erſchöpft murmelnd:„Und ich hatte Dir's ſo ſicher zugetraut!“ erhob ſich die Geſtrenge.
War die Zeit bis zu dem Spielabend ſchon zu weit vorgeſchritten, oder hoffte ſie doch noch? Sie ließ mir die Rolle.
Und der Abend kam, und der Vorhang hob ſich, und aus dem Saal⸗ dunkel ſchauten erwartungsvolle Geſichterreihen empor,— da— ver— ſank alles Hemmende, der Starrkrampf löſte ſich,— es ging auf einmal!
Rauſchendes Händeklatſchen, ein brunnentiefer Erleichterungsſeufzer Fräulein von Szezepanskis nach der erſten Szene. Was nun noch kam, ging von ſelbſt.— Lina Müller, Du ſchöner Märchenprinz, weißt Du noch, wie Deine goldroten Prinzenlocken immer länger wurden, bis ſie Nixenlocken glichen? Wie Dein prinzliches Samtkoſtüm nicht den kleinſten Ab⸗ und Nebenweg zuließ?! Wie wir hinter dem„Felſen“tuch lange Naſen ſchnitten? Wißt Ihr es noch, die Ihr mittatet bei dieſem denk— würdigen Weihnachtsmärchen?
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