Achtung und Anerkennung nicht verſagen. Gewiß, es wäre töricht, ihr Leben auch nur im Geringſten zu vergleichen mit dem ihrer großen Zeit— genoſſinnen, etwa einer Rahel Varnhagen, Malwida von Meyſenbug oder einer Amalie Sieveking. Dazu fehlte ihrem Daſein die Weite, der umfaſſende Wirkungskreis, die Berührung mit den Trägern des deutſchen Geiſteslebens. Aber im Rahmen der heſſiſchen Heimat und der Heimat— ſtadt ſteht ſie als eine der tüchtigſten Frauen in der erſten Hälfte des 19. Jahrhunderts da. Als bewußte Chriſtin, als kluge und willenskräftige Frau hat ſie aus eigener Kraft durch Jahrzehnte hindurch ihr Lebenswerk aufgebaut, lange bevor es eine Frauenbewegung gab oder den Frauen po⸗ litiſche Rechte in großem Umfange gewährt wurden.
2. 1866— 1890.
De Jahre 1866 und 1870 waren nicht nur für das deutſche Reich,
ſondern auch für die Schule von einſchneidender Bedeutung. Schule, Staat und Stadt ſtehen ja immer in einer gewiſſen Wechſelbeziehung. Jetzt, nach 1870, wuchs die Stadt raſch an Einwohnerzahl, Handel und Induſtrie zogen in immer ſteigenderem Maße ins Land ein. Der wach— ſende Wohlſtand veranlaßte auch die Bürgerkreiſe, die ſeither noch zurück⸗ ſtanden, ihre Kinder einer höheren Schule zuzuführen. Nicht zuletzt iſt— auch die beginnende Frauenbewegung, die eine ſtärkere Berückſichtigun, ihrer kulturpolitiſchen Forderungen verlangt. Der wachſende Einfluß, den der Staat jetzt auch auf kulturellem Boden zu erreichen ſtrebte, tritt auch auf dem Gebiete der Mädchenbildung zutage. In Heſſen bedeutet s Jahr 1874 ³⁰) einen gewiſſen Wendepunkt für die höhere Mädchenſchule, da jetzt durch Geſetz die Fragen der Organiſation des Unterrichtes und des Verhältniſſes der Lehrkräfte geregelt werden.
Dieſen Wandel der Zeiten, der ja Günſtiges und Ungünſtiges in ſeinem Schoße für eine evangeliſche Privatſchule barg, hat die Hofmannſche Schule überraſchend glücklich überſtanden, ebenſo auch den Wechſel in der Leitung. Trotzdem ſie keinen Augenblick ihre innere Einſtellung verleug— nete, geht es erneut raſch aufwärts. Die Jahre von 1866—188o ſind eine Blütezeit der Schule geweſen. Nicht zum wenigſten auch dadurch, daß jetzt eine Gruppe von Menſchen Träger dieſer Schulgemeinde wurden, wie ſie kaum beſſer gefunden werden konnten. Es waren dies Amalie Grein ¹), Emilie Davidſon geb. Grein ³²) und der ſpätere Kirchenrat Theodor Stamm ³³), die den Vorſtand der Schule bildeten. Als ihr Ber und Mitarbeiter trat hinzu der Hofprediger Ernſt Grein ³⁴). Es m, 4 wiſſem Sinne eine ideale Arbeitsgemeinſchaft, die ſich hier*“ Alle vier waren durch Bande des Blutes, ebenſo auch durch ſame religiöſe Uberzeugung miteinander verbunden.— Nichten der Gründerin ³⁵) waren ſie ſeit ihrer Jugend
3) Lange⸗Bäumer III. S. 114. 3¹) geb. 1836. ³²) geb. 1838. ³³) geb.
³⁵) Jeanettes jüngſte Schweſter Luiſe hatte ſich mit dem Vfo
zu Großzimmern verheiratet, eine andere Schweſter Charlo„. Philipp Ernſt Stamm zu Stockſtadt geheiratet.*
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