Aufsatz 
Hundert Jahre Elisabethenschule. Hofmannsches Institut Darmstadt. 1832 - 1932 / Hrsg. v. d. Leitung der Elisabethenschule
Entstehung
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Geſchichte der Schule (1832 1932)

von Studienrat Dr. Fr. Grünewald(Darmſtadt).

1. 1832(1823) 1866.

Es war im Jahre 1832, da Jeanette Jakobine Hofmann, unterſtützt

von Ihrem Bruder, dem Kandidaten der Theologie Theodor Hof⸗ mann, die ſeit dem Jahre 1823 beſtehende höhere Mädchenſchule des Pfarrers Georg Friedrich Küchler zu Darmſtadt übernahm. Sie gab der Schule nicht nur ihren Namen, ſondern auch auf Jahrzehnte hinaus prägte ſie dieſem Werke den Stempel ihres Geiſtes auf. Zwar ſind 100 Jahre Geſchichte einer Schule im Rahmen des großen Geſchehens von flüchtiger Bedeutung und doch: auch in der Geſchichte einer Schule ſpiegelt ſich der Wechſel der Zeiten und des geſchichtlichen Lebens wieder. Ein Doppeltes aber hat die Schule bis zu dieſem Tage ſich feſtgehalten: durch den Willen einer einzelnen Frau begründet, ohne Mitwirkung von Ge meinde und Staat, und dies Jahrzehnte vor dem Entſtehen einer Frauen bewegung, hat die Schule ſeit dieſer Zeit ſich den Charakter einen freien Schule bewahrt, wenn man auch anerkennen muß, daß der Sat die Erziehungsarbeit nicht gehemmt, ſondern ihr ſtets freundlichgenüber⸗ ſtand. Weſentlicher iſt das andere: von Anbeginn haben die Gründer und zumeiſt auch ihre Nachfolger ihr Werk angeſehen, nichtar als ein Dienſt an der ihr anvertrauten Jugend und damit am Volkstum, ſondern als ein Dienſt an der Kirche, in der ſie ſtanden und aus der ſie kamen. Nicht aus Gegenſatz zu Andersdenkenden, ſondern bei aller Offenheit für die Aufgaben der Zeit fühlten ſie ſich dazu aus perſönlicher Uberzeugung verpflichtet, und ſuchten vom evangeliſchen Glauben aus, ſo wie ihn die Reformatoren überlieſert haben, Inhalt und Geiſt der Schule zu prägen.

Wer ſich in die Geſchichte der Frauenbildung vertieft, wird zu ſeinem Erſtaunen an einer ähnlichen Feſtſtellung nicht vorüberkommen. Nur zum geringſten Teil fällt das Verdienſt dem Staate zu, vielmehr ſind es Einzelperſönlichkeiten und freie Schulgemeinden geweſen, die die Träger der Mädchenbildung durch Jahrhunderte hindurch waren. Und am ſtärk⸗ ſten waren es religiöſe Kräfte und Gemeinſchaften, die den Anſtoß dazu gaben. War es doch das Reformationszeitalter, in dem im eigentlichen Sinne die Mädchenbildung zu einer öffentlichen Angelegenheit wurde ¹).

¹) Vergl. Lange⸗Bäumer: Handbuch der Frauenbewegung III.(1902) S. 18 ff., weiterhin, Rein: Handbuch der Pädagogik Bd. V.