Aufsatz 
Herrn Prof. Herling wichtigste Lehren der sphärischen Astronomie nach einer neuen Darstellungsweise / Johann Theodor Vömel
Entstehung
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Umdrehung um ihre Achse, da die Meridiane alle Parallelkreise(§. 7) halbiren, in der Licht- und Schattenseite(die Erde bei Einer Rotation feststehend gedacht) gleich lang. Dieser Augenblick heiſfst NNachtgleiche, æœquinoctium. Da nun die Ekliptik, welche durch den Radiusvector geht, auf der Lichtscheide, und hier auch der Aequator auf ihr, als hier auf einem Meridiane, senkrecht steht; so muſs beider gemeinschaftliche Durchschnittslinie auf der Lichtscheide senkrecht stehen, selbst der Radiusvector seyn. Es erscheint demnach hier die Sonne zugleich auf dem Durchschnittspunkte der Ekliptik und des Aequators. Umgekehrt, wenn die Sonne auf diesem Durchschnittspunkte steht, so ist sie, wie immer Pol der Licht- scheide, auch hier Pol eines Meridians, und Lichtscheide und Meridian fallen in Eine Ebene. Aequator und Ekliptik halbiren sich als zwei gröſste Kreise in Einem Diameter. Es giebt also zwei Stellen der Erdbahn, um einen Winkel von 1800 entfernt, wo die Nachtgleichen statt finden.

2) Wenn die Polebene der Ekliptik(§. 8, 3) durch die Achse der Erde geht, und demnach mit der Neigungsebene der Erdbahn und der Meridianebene zusam- menfällt(§. 8, 2. 1), also senkrecht auf der Lichtscheide steht; so fallen der eine Pol und alle Parallelkreise, welche um die Schiefe der Ekliptik von dem Erdpole abstehen, ganz in die Lichtscheide, so daſs die Oerter auf denselben keine Nacht haben; am entgegengesetzten Pol keinen Tag. Dieser Augenblick heiſst Solstitium. Da die Erdachse sich in ihren Stellungen parallel bleibt; so muſs sie am entgegengesetzten Punkte desselben Diameters wiederum eine solsti- tiale Stellung annehmen; der Pol jedoch, der dort in die Lichtseite fiel, hier in die Schattenseite fallen. Es giebt also auch auf demselben Diameter, also in einem Zwischenraum von 180⁰°, zwei Solstitien. Diese Stellungen und warum in den Solstitien die längsten und kürzesten Tege statt finden, kann man dann auch aus der späteren Formel§§. 12 und 16 folgern. Das Solstitium, wo der Nordpol in der Lichtseite steht, heifst Sommersolstitium; das andere Wintersolstitium. Die Nachtgleiche, welche dem erstern vorhergeht, heifst Frühlingsnachtgleiche; die ihm folgt, Herbstnachtgleiche.

3) Da Aequator und Lichtscheide sich als zwei gröſste Kreise halbiren; so haben alle Oerter auf dem Aequator der Erde immer Tag- und Nachtgleiche.

§. 10.

1) Ein Meridian, durch einen Stern gelegt, ist zugleich die Meridianebene des Sterns(S§. 8), da er, wie durch die Himmelsachse, so durch die Erdachse geht. Man nennt ihn Abweichu ngskreis, und den Abstand des Sterns vom Aequa- tor in Graden dieses Kreises die Abweichung(Declination) des Sterns. Der