. D eree Herrn Professors Herling
wichtigste Lehren der sphärischen Astronomie nach einer
neuen Darstellungsweise.
Die folgenden Blätter enthalten die wichtigsten Lehren der sphärischen Astro- nomie nach einer neuen Darstellungsweise in einer gedrängten Uebersicht. Die gewöhnliche Darstellung erklärt zuerst die scheinbare Bewegung der Sonne, der Planeten und Monde am Himmel, und bewegt dann den Himmel um das Centrum seiner scheinbaren Bewegung, den ruhenden Ort. Daher denn auch ein Theil der sphärischen Dreiecke um den Aequator und die Ekliptik liegt, ein anderer um die Pole des scheinbaren Himmels. Die folgende Darstellung leitet jede ein- zelne Erscheinung und die Formeln der Berechnung unmittelbar aus dem sie veranlassenden wirklichen Vorgange ab. Daher denn auch alle sphä- rischen Dreiecke um den Erdpol, um welchen jede Bewegung statt findet, vereint liegen. Die Formeln sind natürlich dieselben; die Erklärungsweise ist wenigstens eben so kurz, leicht und durchschaulich, und hat, immer von der Rotation der Erde ausgehend, eine gröſsere Einheit und Gleichförmigkeit. Gleichwohl soll der Werth der bisherigen Erklärungsweise, welche, da sie die Fragen nach der Zeit und dem Umfange der scheinbaren Bewegung lösen will, sich strenger an den Schein anschliefst, nicht in den Schatten gestellt werden; vielmehr ist auf diese überall zurückgewiesen worden.
Wenn es aber gewils immer die Gründlichkeit der Erkenntniſs befördert, einen Gegenstand von mehreren Seiten aus zu betrachten, und hier ein Gesichtspunkt gewählt worden ist, aus welchem der wirkliche Vorgang der Bewegung, die Wahr- heit gleichsam ohne die Hülle des Scheins, gesehen werden kann; so wird man mich nicht tadeln, für die folgenden Blätter die prüfende Aufmerksamkeit der Lehrer und der Freunde des Unterrichts in Anspruch genommen zu haben. Bei der Wahl der Form habe ich, die sphärische Trigonometrie und ihre Rechnun- gen voraussetzend, auch das Bedürfniſs der Schüler berücksichtigen und das eingeführte Compendium vervollständigen, zugleich aber auch die durchgreifende Anwendbarkeit und die Vortheile der Darstellungsweise gleichsam praktisch nach- weisen wollen. Jede einzelne Erscheinung forderte eine von der bisherigen abwei- chende Erklärungsweise.


