Aufsatz 
Beobachtungen über den homerischen Sprachgebrauch : 3. Teil. Das Participium in seinen prädicativen Verbindungen
Entstehung
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Beobachtungen über den homerischen Sprachgebrauch.

Dritter Theil: Das Participium in seinen prädicativen Verbindungen.

Wenn wir in Ausführung des Th. 2. S. 7 vorgezeichneten Ganges unserer Be- trachtungen auf den folgenden Blättern den prädicativen Gebrauch des Participiums in den homerischen Gedichten in nähere Untersuchung ziehen, so treten wir wieder in die Mitte desjenigen Sprachgebietes ein, welches uns von Anfang zur Beobachtung ein- lud: die homerische Syntaxis. In einer Sprache, die, wie die griechische, die in ihr liegenden fruchtbaren Keime aufs glücklichste zu entwickeln verstanden hat, möchte wohl kein Theil der Satzgliederung zur Beweglichkeit und zur Belebung des Gedan- kenausdrucks kräftiger mitwirken, als das Participium in seinen mannichfaltigen syn- taktischen Verbindungen. Zwar liegt es in der nominalen Seite seiner Natur, dass es unfähig ist den Abschluss des Gedankens herbeizuführen; aber alle innerhalb der Entwicklung desselben sich ergebenden Bestimmungen, Bedingungen und Modificationen sind recht eigentlich das Gebiet, auf welchem es sein Leben und seine Wirksamkeit findet. Obgleich die homerische Sprache von dieser vielseitigen Fähigkeit des Partici- piums eine ungemein reiche Anwendung macht und keiner späteren darin nachsteht; so ist doch bei weitem das Meiste, was hier in Betracht hommt, Gemeingut des Griechi- schen überhaupt, und würde mit Unrecht aus dem Zusammenhange der allgemeinen griechischen Grammatik in die homerische übertragen werden. Unsre Aufgabe wird es nur sein, diejenigen Erscheinungen auf diesem Gebiete, welche dem Gebrauche des alten Dichters eigenthümlich sind oder in vorzüglichem Masse bei ihm hervortreten, näher zu beleuchten, und das mit dem späteren Sprachgebrauch Uebereinstimmende nur in so weit in Betracht zu ziehen, als es aus dem Vergleich mit dem homerischen ein neues Licht gewinnen möchte. Wir wollen in dieser Uebersicht die einfache Anord- nung befolgen, dass wir für dieses Mal die verbale Seite des Participiums in den Modificationen des Tempus, und demnächst die nominale in den Abwandlungen des

Casus ins Auge fassen. 1*