Aufsatz 
Die Verwandlung der menschlichen Gestalt im Volksaberglauben
Entstehung
Einzelbild herunterladen

voraushaben zu wollen. Sagen, die solche Neigung bekunden wie die obige indische, wurden später von Dichtern oder Priestern erfunden und zurechtgelegt, wie das die Sage von Brahma deutlich genug zeigt. Brahma ist überhaupt nur ein Gott, dem die Priester zum Dasein verholfen haben, denn er ist lediglich eine Personifikation des Brahman, der Gebetskraft. Wenn die wilde Naturphilosophie die Menschen also aus dem Stein entspringen, aus Bäumen und anderen Pflanzen wachsen oder von tierischen Eltern entstehen läßt, so darf doch kaum geschlossen werden, daß der Mensch auf primitiver Stufe sich als einzigartiges Wesen, würdig einer einzigartigen Abkunft, auffaht. Das Bewußtsein, hoch über allen Naturdingen zu stehen, läßt sich kaum mit der Meinung vereinigen, von ihnen herzustammen. jJa, die Beziehung, in der der Naturmensch zu den Tieren oder Pflanzen, von denen einst seine Ahnen ab stammten, zu stehen vermeint, kann sogar so innig werden, daß er geradezu ein Verwandtschaftsverhältnis zwischen den betreffenden Naturobjekten und sich konstruiert. Das an dieser Stelle weiter auszuführen, scheint nicht ratsam. Erst auf einer späteren Stufe unsrer Untersuchung, wenn von andrer Seite Licht auf dieses Verhältnis zwischen Mensch und Auſending gefallen sein wird, kann genauer darüber gehandelt werden.

b. Die Meinungen vom körperlichen Leben.

Einen weiteren Schritt vorwärts auf unsrer Bahn tun wir nun, wenn wir in die Untersuchung der Meinungen primitiver Menschen von ihrem leiblichen Leben eintreten. Wenn bei ihnen der Glaube feststeht, der Mensch sei imstande, seinen Leib zu tierischer oder sonstiger Form umzuwandeln, so müssen ihre Begriffe vom körperlichen Leben von den unseren weit abstehen. Was für Ansichten haben die Primitiven nun?

Wissenschaftliche Kenntnisse wird niemand auf diesem Ge- biete, so wenig wie auf irgend einem anderen, von Wilden oder Halbwilden erwarten. Um solche handelt es sich selbstver- ständlich in unserer Untersuchung nicht. Es ist uns von vorn- herein klar, daß die Ideen der Primitiven vom körperlichen Leben nur Wahnideen sein können.