Aufsatz 
Die Musik als nachahmende Kunst / von Franz Schenkheld
Entstehung
Einzelbild herunterladen

24

in der Tat gilt, einer Kunstanschauung und-übung entgegenzutreten, die eine im wesentlichen rein sinnliche Unterhaltung in den Vorgrund stellt auf Kosten der Bekanntschaft mit den höchsten und edelsten Erzeugnissen, in denen sich Geist und Phantasie zu idealer Schöpfung vereinigen. Auch über einen Bach urteilt Gervinus nicht ganz gerecht, wenn er ihn nur den gelehrten Kennern gleichsam zum Studium überweisen will. Unserem fast ausschlieszlich an die geistlosesten und plattesten musikalischen Genüsse gewöhnten Konzertpublikum ist freilich und muss Bach eine unverstandene Grösze bleiben. Wer aber das Herz auf dem rechten Fleck hat, wessen Sinn dem Eindruck des Schönen und Erhabenen nicht verschlossen ist, der muss auch in einem groszen Teile der Instrumentalkompositionen dieses Meisters das göttliche Feuer des Genius erkennen: durch die kunstvollen Tongeflechte und Tonranken leuchtet die beseelte Melodie, und die kunstreiche Gliederung und Eurythmie'des technischen Aufbaus fasst die Phantasie des Hörers, auch wenn er nicht überall dessen Geheimnisse zu ergründen vermag. Will man, wozu doch auch Gervinus sich hier und da herablässt, den reinsten und klarsten Teil der Spielmusik zu den echten Kunsterzeugnissen des Menschengeistes rechnen, so darf man auch solche Bachschen Werke nicht übersehen, in denen dem unmittelbaren Gefühlserguss so gut die Zunge gelöst ist, wie in einem Mozartschen oder Beethovenschen Satze, wenn auch in anderer, vielleicht noch tieferer und scelenvollerer Weise.

Fassen wir noch einmal kurz das über die Instrumentalmusik Gesagte zusammen: Ihr Wert ist nur insoweit ein ästhetischer, als sie sich in den Grenzen hält, die ihr durch ihren Ursprung und ihre Natur sie ist in beiden Hinsichten nachahmend gezogen sind. Ihr ästhetischer Wert nimmt ab, je weiter sie von ihrem Nachahmungsobjekt sich lossagend, eigene, spezifisch technisch- musikalische Wege verfolgt, wie wertvoll und für die Entwicklung der Musik notwendig aueh die einseitige Pflege dieser blosz formalen Seite sein mag. Dann wird die Musik immer. nichissagender, sie wird schlieszlichleer und bedeutungslos und ist, da ihr die eine lauptseito aPler Kunst, der geistige Inhalt und Ausdsuck abgeht, noch nicht

Feeneieh zur. Kunst zu Pehnen. So spricht Hegel der abstrakteste und formalste aller Denkoer:...

5