Aufsatz 
Naturgeschichte der Ameisen und Anleitung zur Bestimmung der nassauischen Arten : 1. Theil / Schenck
Entstehung
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2) De Geer, Abhandlungen zur Geſchichte der Inſekten. Aus dem Franzöſiſchen überſetzt von Göze. 7 Thle. in IV. Nürnberg, 1783.(Mit vielen Abbild.) 3) Chriſt(Pfarrer zu Cronberg, der berühmte Pomolog), Naturgeſchichte der Inſekten vom Bienen⸗, Wespen⸗ und Ameiſengeſchlechte. 2 Bde. in IV. Frankſ. a. M., 1791.(Mit vielen Abbild.)

Unter allen Inſekten ſtehen die Ameiſen in geiſtiger Ausbildung am höchſten. Nicht genug bewundern kann man ihre raſtloſe Thätigkeit, ihre unermüdliche Ausdauer, ihre zähe Hart⸗ näckigkeit, ihren unbeſiegbaren Muth, ihre aufopferungsfähige Sorgfalt für die Geſellſchaft und beſonders für die unentwickelte Brut. Dieſe Eigenſchaften zeigen aber nur die A.; an W. und M. iſt keine derſelben wahrzunehmen; die A. allein beſorgen alle zum Bau und zur Er⸗ haltung des Neſtes und der Colonie und zur Pflege der Brut nothwendigen Geſchäfte, verthei⸗ digen ſich ſelbſt, das Neſt und die Brut, und retten dieſelbe aus Gefahren. Nur bei einigen Arten ſieht man auch die ungeflügelten W. ſich an dem Wegtragen der Brut, wenn dieſer Gefahr droht, betheiligen, ſo bei Tapinoma erraticum und Myrmica laevinodis. Die ein neues Neſt gründenden W. müſſen natürlich eine Zeitlang die Pflege der Brut beſorgen. Die A. benehmen ſich gegen die eierlegenden W. auf ähnliche Art, wie die Arbeitsbienen gegen die Königin, begleiten und umgeben ſie überall, füttern ſie ſorgfältig, retten ſie in Gefahr. Bei manchen Arten zeigen ſich jedoch auch die A. furchtſam und feige, z. B. bei Lasius brunneus, Myrmecina Latreillii und Strongylognathus testaceus. Bei der erſten Art flüchten ſie ſich, ſo⸗ bald man das Neſt aufdeckt, eiligſt in die nach dem Inneren führenden Löcher(daher von Förſter Formica timida genannt), bei den 2 letzteren krümmen ſie ſich, wenn man ſie greift, zuſammen und bleiben einige Zeit regungslos liegen. Bei allen anderen Arten gehören die A. zu den muthigſten Thieren. Sie vertheidigen ſich auf das hartnäckigſte mit ihren Oberkiefern und ihrem Stachel oder der ausgeſpritzten Säure. Viele, z. B. die kleinen A. des ſehr gemeinen Tetramonium caespitum, beißen ſich in die Haut ſo feſt, daß man ſie kaum entfernen kann. Die Säure ſpritzen ſie mit einwärts gekrümmtem Hinterleibe in die Wunde, welche ſie mit ihren Kiefern gebiſſen haben. Entblößt man das Neſt der Formica rufa und der verwandten Arten, ſo ſpritzen alle A. ihre Säure mit Gewalt aus. Die größten Inſekten müſſen den vereinten Angriffen der kleinſten Ameiſen unterliegen und in den Tropenländern können manche Ameiſen⸗ arten ſelbſt größere Thiere und Menſchen überwältigen(ſ.§. 10 und 11). Im folgenden§. werden wir ſehen, daß es auch Arten gibt, deren A. ſich von allen den Geſchäften fern halten, welche dieſelben ſonſt mit der bewundernswertheſten Emſigkeit und Ausdauer verrichten. Alle die raſtloſe Thätigkeit, welche wir an den Ameiſen ſo ſehr bewundern, bezweckt das Wohl und die Erhaltung der Geſellſchaft, und die mannichfaltigen darauf hinzielenden Geſchäfte werden von den zahlloſen Mitgliedern des Ameiſenſtaates mit der bewundernswürdigſten Ordnung und der unbegreiflichſten Uebereinſtimmung vollführt. Die Ameiſen beſitzen eine Zeichenſprache. Bei ihren Arbeiten und in drohenden Gefahren machen ſie einander durch Berühren mit den Fühlern, Anſtoßen mit den Köpfen und Kneipen mit den Oberkiefern Mittheilungen. Beim Transporte ſchwerer Laſten unterſtützen ſie ſich gegenſeitig; ſo wird z. B. bei Arten, deren A. ſehr klein, die W. und M. aber ſehr groß ſind, wie bei Diplorhoptrum fugax, jede der großen weiblichen und männlichen Larven und Puppen von einer Menge der winzigen A., wenn man das Neſt aufdeckt, durch die Eingangslöcher in die Tiefe des Neſtes hinabgetragen. Schwächere oder verwundete werden von anderen A. in das Neſt getragen. Oft ſieht man, auch wenn keine Gefahr droht, wie eine ſtärkere eine ſchwächere plötzlich ergreift und fortträgt; ſtört man ſie, ſo laufen beide munter davon. Dieſe Sitte zeigt beſonders Camponotus ligniperdus.