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§. 14. Lebensweiſe und Entwicklung. Die Hymenopteren bieten demjenigen, welcher die irdiſche Schöpfung auch in ihren oft geringfügig ſcheinenden Theilen mit Aufmerkſamkeit und Nachdenken zu beobachten im Stande iſt, in ihrer körperlichen Organiſation und in der darauf be⸗ ruhenden Lebensweiſe die intereſſanteſten Erſcheinungen dar.„Die Hymenopteren geben, ſagt Ratze⸗ burg in dem dritten Bande ſeiner Forſtinſekten, das bunteſte Gemälde von phyſiologiſchen, biolo⸗ giſchen und pſychiſchen Erſcheinungen, die wir uns nur in einer Thierklaſſe denken können. Wenn auch hier Alles viel heimlicher und verſteckter, als bei größeren Thieren vor ſich geht, ſo iſt es doch nichts deſtoweniger bewundernswürdigz das Studium bekommt dadurch etwas Pikantes, daß es mit Schwierigkeiten zu kämpfen hat, dann aber auch ſchöne Siege davon trägt. Es ſcheint, als hätte die Natur die Reihe ihrer Bildungen in der überhaupt wohl die ganze Bildungsweiſe der vorweltlichen Thiere beſchließenden Inſektenwelt mit den Hymenopteren beendet und ſie in geiſtiger Ausſtattung noch über ihre Verwandten hinausgeführt.— Bei den Ameiſen, Bienen und Wespen wurde ein vollſtändiges Staatenleben entwickelt: für die Bevölkerung des kleinen Staates ſind be⸗ ſondere Individuen(Männchen und Weibchen) beſtimmt, und der Erziehung der künftigen Bürger ſtehen wieder beſondere vor; in dieſen iſt die Zeugungskraft erloſchen, damit eine deſto größere Sorge für das Wohl der Brut ſich daraus entwickeln ſollte; denn letztere bedarf in ihrer Hilfs⸗ loſigkeit die größte Pflege und ſieht doch wiederum einer großen und wichtigen Beſtimmung entgegen. Die Jungen haben nun doppelte Mütter. In Folge dieſer höchſt ſonderbaren Trennung der Species in 3 verſchiedene Individuen, vielleicht in Folge der eigenthümlichen, auf die Erziehung verwendeten Sorgfalt, tritt auch gleich eine ungewöhnliche Regung der geiſtigen Thätigkeit auf: es entwickeln ſich Handlungen, welche an Verſtandesthätigkeit grenzen; es werden Wanderungen, Kriege, Spiele unternommen; mit wahrer Ueberlegung wird oft ein verfehlter Weg aufgegeben und der rechte aufgeſucht und dergl. mehr.⸗
Ausführliche Darſtellungen des Lebens der Hymenopteren aller Familien und insbeſondere der geſelligen enthält das ausgezeichnete Werk Ratzeburgs, dem obige Skizze entnommen iſt, und außerdem Okens allgemeine Naturgeſchichte, die von Oken aus dem Engliſchen überſetzte Einleitung in die Entomologie von Kirby und Spence(4 Bde.), und Lepeletiers histoire naturelle des insectes hymenoptères. Und bekanntlich hat Virgil in dem vierten Buche ſeiner Georgiea das Leben der Bienen in der herrlichſten Poeſie geſchildert, wie er ſelbſt ſagt, die
admiranda levium spectacula rerum(klein geachteter Dinge bewunderungs⸗ würdiges Schauſpiel. Voß); aber dieſe Schilderungen gelten großen Theils nicht allein von
den Honigbienen, ſondern von allen geſelligen Homenopkeren, msbeſonders auch von den geſelligen Wespen. So, wenn es heißt:
Solae communes gnatos, consortia tecta Urbis habent, magnisque agitant sub legibus aevum; Et patriam solae, et certos novere Penates.
Sie nur haben gemein der Kinder Geſchlecht, und vereinbart Häuſer und Stadt, und leben beherrſcht von großen Geſetzen; Heimat kennen nur ſie, und eigenes Heerdes Penaten.
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