Aufsatz 
Von einigen Beförderungsmitteln des öffentlichen Unterrichts und der Erziehung
Entstehung
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Sprache ausnehmend wichtig. Fuͤr die Sittlichkeit unbedeutend? Wer kennt hierin nicht das jugendliche Herz? Iſt es auch durch jene frivole Lectuͤre nur unbedeutend verwun⸗ det, ſo hat es doch immer eine gefaͤhrliche, und oft eine nicht leicht zu heilende Wunde erhalten. Gluͤck genug, wenn die Verblutung nicht ſchnell erfolgt! Aber oft ſchwaͤrt das tief eingezogene Gift ploͤtzlich aus, geht langſam in den gefaͤhrlichſten Eiter uͤber, und wird endlich zum alles zerfreſſenden Krebs, zum furchtbarſten Zerſtoͤrer der Re⸗ ligion und Sittlichkeit.

Es iſt auſſerordentlich wichtig, dieß iſt die letzte dringende Bitte, daß Aeltern, wenn ſie von des Lehrers Bemuͤhungen fuͤr die ſittlich religioͤſe und wiſſenſchaftliche Aus⸗ bildung ihrer Soͤhne bald die erſprießlichſten Folgen bemerken wollen, nie unterlaſſen, jene mit dem Character und den ſittlichen Fehlern beſonders bei der Aufnahme derſelben in dem hieſigen Paͤdagogium bekannt zu machen? Kenntniß des inneren Menſchen iſt ſo leicht nicht erworben, als oft mancher wohl denkt. Es koͤnnen viele Monate vergehen, bis der Lehrer mit den Schwaͤchen und Kraͤften, mit den Neigungen und Leidenſchaften, mit den Fehlern und Gebrechen mancher Zoͤglinge gehoͤrig bekannt iſt. Wenn daher Ael⸗ tern dieſe ſo wichtige Aufforderung unerfuͤllt laſſen, ſo geraͤth jener leicht in die Gefahr, und wenn er auch der vorſichtigſte Mann iſt, in der Behandlung derſelben zu viel oder zu wenig zu thun. Er haͤlt dann den froͤhlichen vielleicht fuͤr einen leichtſinnigen, den bedachtſamen fuͤr einen verſchloſſenen, den ruhigen fuͤr einen ſchlaͤfrigen Knaben; oder er greift nach dem Zuͤgel, wo er den Sporn anſetzen ſollte, oder er gebraucht Ernſt und Strenge, wo Freundlichkeit und Nachſicht, oder Beſchaͤmung und Tadel, wo Lob und Beifall erforderlich waͤre. Aber warum vor dem Lehrer, der die Fehler der Kinder in der Folge dennoch entdeckt, ſich ſchaͤmen? Warum ſie vor ihm, der ſie ausrotten helfen ſoll, verhehlen? Kann der Arzt heilen, wenn er die Krankheit nicht kennt? NMoͤchte es daher allen Aeltern, die unſerm Paͤdagogium ihre Soͤhne anvertrauen wollen, in Zukunft gefaͤllig ſeyn, bei der Aufnahme derſelben ſelbſt zu erſcheinen, und die Lehrer von dem Character und von dem vorherigen ſittlichen Betragen derſelben in ge⸗ naue Kenntniß ſetzen! Sie würden dadurch unſere Bemuͤhungen ungemein unterſtuͤtzen, und unendlich viel beitragen, daß der neue Zoͤgling mit dem heiterſten Muthe jene wich⸗ tige Laufbahn betritt, die ihn zum reineren Himmel ſeines Lebens, zum reinſten Genuſſe der Menſchenſeligkeit hinbegleiten ſoll.