Aufsatz 
Geschichte der Realschule zu Offenbach von 1834 bis 1859 : 2. Fortsetzung: Die Realschule bis 1884
Entstehung
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verläuft alles, was nicht wie das Heilige und Sittliche am Ewigen teil hat, in natürlichen Ent⸗ wicklungen, bietet die Erſcheinungen des Veraltens und Vergehens, aber ebenſo des Uebergehens in neue Lebensformen dar. Ein konſervativer Sinn, der das nicht beachtet, will die Wege Gottes in der Geſchichte nicht verſtehen, er glaubt nicht an den frei waltenden und neu ſchaffenden Geiſt der Weltregierung. Ueber ſolche Starrheit geht die lebendige Entwickelung hinweg. Von Natur ſind wir ſehr geneigt, Vorurteile zu konſerviren; aber ſtatt von dem, was anders wird, ſich unmutig abzuwenden, ſoll man dem Neuen mit klarem und ſcharfem Auge ins Angeſicht ſehen und es darauf hin prüfen, ob und wie weit es den unveränderlichen Zwecken dient, welche im Weſen der Dinge gegeben ſind. Ein ſolcher Zweck iſt der Bau eines geſunden Volkslebens, und zu den Faktoren des⸗ ſelben gehört auch die Schule: ſie iſt beides, eine Wirkung und eine der Urſachen des ſie umgebenden Lebens.Daß die Deviſe der Realſchulen non scholae sed vitae nicht im Sinne niederer Nutzbarkeit für das praktiſche Lebensbedürfnis genommen werden darf, muß jedem einleuchten, der ſich mit den für ſie maßgebenden Prinzipien bekannt macht, er wird ſich überzeugen, daß ſie auch an ihrem Teil dem deutſchen Idealismus dienen können und wollen. Nur Unkenntnis und Voreingenommenheit kann gegenüber den nachweislichen Thatſachen leugnen, daß die Realſchulen ſich im allgemeinen bewährt und durch ihre Wirkſamkeit des ihnen bewieſenen Vertrauens wert gezeigt haben.

Und mit dem Troſte, der in dieſen Worten für die Realſchule enthalten iſt, mit dem Mute, den ſie ihren Vertretern und Freunden einhauchen müſſen und mit allem Vertrauen aufGottes Ordnung wollen wir der ferneren Zukunft unſerer Realſchule hoffnungsvoll entgegen ſehen.

Offenbach a. M., am 1. Februar 1884.

Dr. Schön.