— 12— b. Tabellariſche Ueberſicht der Lehrſtunden der Vorbereitungsſchule.
. Klaſſen:
V Gegenſtände. jien 1 im j1y . a. evangeliſche............... V 3 2 V 2 2 1. Religion lt. katholiſche............(2)(2)(2)(2) 2. Deutſche Sprache. 8 8 8 6 3. Franzöſiſche Sprache 3——— 4. Formenlehre 2 2—— 5. Rechnen 4 4 4 4 6. Heimatskunde.... 2 2—— 7. Anſchauungsunterricht....—— 3 3 8. Schreiben.... 3 2 3 2 2 9. Geſang 1 1 1 1 10. Turnen.... 2 2 2 2 Zuſammen 27 24 22 20
Schon bei Eintritt der Reorganiſation(Juli 1866) waren die Räume des Realſchulgebäudes (jetzige I. Knabenbürgerſchule in der Herrnſtraße) nicht ausreichend geweſen und hatte der Seitenbau eines Nachbarhauſes zur Unterbringung einiger Klaſſen gemietet werden müſſen. Direktor Greim betrieb deshalb ſeit Oktober 1869 den Plan zum Baue eines neuen Realſchulgebäudes auf das eif⸗ rigſte und hatte den Erfolg, daß ſchon im Laufe des Schuljahres ſein Antrag in dieſer Richtung durch den Gemeinderat genehmigt wurde. Leider konnte der Bau wegen des ausbrechenden Krieges im Laufe des nächſten Sommers nicht in Angriff genommen werden, bei deſſen Beginn ſich nicht vorausſagen ließ, ob er nicht auch die Stadt Offenbach berühren werde, und der dann das ganze Jahr hindurch ausſchließlich die Gemüter beherrſchte.*)
Der im folgenden Jahre begonnene Schulhausbau war nebſt der inneren Einrichtung bis zum Frühjahr 1873 vollendet, und fand die Einweihung desſelben am 23. April in feierlicher Weiſe ſtatt. Die Chronik der Realſchule vom Schuljahr 1872/73 erzählt über die letztere das folgende: „Anfangs April war der Bau und die innere Einrichtung unſeres neuen Schulhauſes endlich ſoweit vorgeſchritten, daß wir an den Ueberzug in daſſelbe denken konnten. Als Tag der Einweihung wurde der 23. April 1873 feſtgeſetzt. Ein Comité von älteren Schülern, das ſich gebildet hatte, ſtellte uns die durch freiwillige Beiträge beigebrachten Mittel zur Erhöhung der Feſtlichkeiten in ausreichen⸗ dem Maße zur Verfügung und wir verfehlen nicht, demſelben, ſowie den gütigen Gebern unſeren herzlichſten Dank hier auszuſprechen. Des Vormittags um 9 Uhr verſammelten ſich Lehrer und Schüler, die Vertreter der eingeladenen Behörden und des Stadtvorſtandes, die Lehrer der übrigen öffentlichen Schulen, eine große Zahl älterer Schüler und Freunde der Schule in dem Hofe des alten Realſchulgebäudes. Nach Abſingung eines Chorals und einer kurzen Anſprache des Reallehrers Kuhl, in welcher derſelbe von den alten Räumlichkeiten Abſchied nahm, ſetzte ſich gegen 10 Uhr der Feſtzug, die ganze Muſik unſeres 4. Infanterieregiments No. 118 an der Spitze, in Bewegung, zog durch mehrere Straßen der Stadt und nahm vor dem neuen Schulgebäude Aufſtellung. Ein von den Schülern geſungener Choral begrüßte das Gebäude, worauf der Erbauer deſſelben, Herr Stadtbaumeiſter Raupp, mit einer kurzen Anſprache den Schlüſſel an den Bürgermeiſter Hirſchmann überreichte, welchen dieſer ſofort dem Direktor übergab, der im Namen Gottes das Gebäude öffnete. Die Teilnehmer
*) Zwar haben die anfänglich erwarteten größeren Truppenzüge durch die Stadt nicht ſtattgefunden, die in Aus⸗ ſicht genommene Mitwirkung der Realſchüler bei deren Verpflegung konnte alſo nicht eintreten, aber die 3 hier errichteten Lazarette boten vielfache Gelegenheit, bei dem Empfange der ankommenden Verwundeten, ſowie bei der Pflege derſelben ſich nützlich zu machen, und es haben ſich daran faſt ſämtliche Lehrer, wie auch die Schüler der oberen Klaſſen beteiligt.— Erhebend während des Kriegsjahres waren die Tage, an welchen Nachrichten von bedeutenden Siegen eintrafen. Vor Beginn der Schule hörte man ſchon von ferne aus allen Klaſſen die Klänge der„Wacht am Rhein“, und die Mitteilung des Direktors, daß der Unterricht für den betr. Tag aus⸗ fallen ſolle, war faſt überflüſſig— ſie verſtand ſich von ſelbſt.


