Aufsatz 
Materialien für den lateinischen Unterricht
Entstehung
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13 Auch für den Inhalt der lateinischen Uebungs- und Lesebücher wurde von den ver-

schiedensten Seiten eine Reform gefordert. Man nahm an dem krausen Durcheinander Anstoss und verlangte gleich von Anfang an zusammenhängende Stücke. Wie leicht diese Forderung zu stellen, wie schwer sie durchzuführen ist, zeigt das nach diesem Prinzipe

pearbeitete Lesebuch für Sexta von Professor Meurer. Betrachten wir irgend eines der Stücke näher, so ergiebt sich, dass es doch nur Einzelsätze sind, deren Zusammengehörig- keit oft gar lose ist, der Inhalt des ganzen Buches aber bunt genug und über den Stand⸗ punkt eines Sextaners hinausgeht. So führen S. 19 und 20 die lateinischen Stücke die Ueberschriften: De leonibus, de sale, de Cicerone, de Hannibale und die deutschen:über Kato, über Apollo und Diana, über die Blumen. Mit Recht sagt daher Lattmann ¹⁵): Das Buch handelt, wie man zu sagen pflegt, über Gott und die ganze Welt, über Kriege und das Leben grosser Männer werden kurze Uebersichten und Charakteristen gegeben, als ob der Schüler über das Detail schon unterrichtet wäre. Es mag sein, dass die Schüler aus diesen Büchern noch etwas mehr Sachliches lernen, als aus den üblichen, aber das Ganze ist doch unübersehbar und kraus. Dasselbe lässt sich auch von dem Perthes'schen Lesebuche sagen, das überdies vor den zusammenhängenden Stücken erst eine Reihe Einzelsätze bietet, was Schmidt ²0) mit den Worten tadelt:Etwas auffällig muss es uns freilich erscheinen, wenn selbst der Mann, welcher der neuen Methode auf qas wärmste und entschiedenste das Wort geredet, in der Praxis doch noch nicht ganz mit dem herkömmlichen Verfahren zu brechen gewagt hat, wenn also sogar Perthes, der die Vorzüge, welche eine zusammenhängende Lektüre vor der Lektüre einzelner zusam- menhangsloser Sätze hat, in seinen Reformartikeln an mehreren Stellen so nachdrücklich hervorhebt, in seinem Lesebuch für die Sexta nicht ausgeht von einem zusammenhängen- den Ganzen, sondern von einzelnen Sätzen, die er allerdings nicht nur zur Gewinnung des sprachlichen Materials verwertet, sondern auch nach ihrem Inhalte genau erklärt und erläutert wissen will. Es erscheint daher töricht, wenn auch die Lektüre die Basis des ganzen Unterrichts ist und sein muss, durch sie allein eine Kenntnis der Sprache zu gewinnen. In der Vorrede zu seinem lateinischen Lesebuch sagt Lattmann:Die Be⸗ schränkung der Unterrichtszeit, welche der alten Sprache auferlegt ist, nötigt uns, auch bei der Lektüre den allerdings schwierigen, aber doch kürzeren Weg der rationellen d. h. grammatischen Methode einzuschlagen, deren Gewinn besonders darin besteht, dass man später anfangen und gleichwohl, wenn auch nicht dem Umfange, doch der Potenz nach jedenfalls dasselbe, wo nicht mehr erreichen kann. Um den Inhalt einfach zu gestalten, verlangt daher Lattmannwirklich historischen incl. mythischen Stoff und zwar nach chronologischer und ethnographischer Ordnung.

Einen Hauptgegensatz zu den verbreitetsten Uebungsbüchern von Spiess und Oster- mann bildet in den Lesebüchern von Perthes das Fehlen deutscher Stücke. Perthes über⸗ weist diese Uebungen der freien Thätigkeit des Lehrers, namentlich in den unteren Classen. Die Perthes'schen Bücher bedeuten, wie Gustav Richter im Jenenser Programm 1881 sagt,

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mittleren Klassen, Programm des Gymnasiums zu Clausthal, 1882, S. 41. ²0) Der lateinische Unterricht in Sexta, Programm der Realschule 1. Ordnung zu Borna, 1881, S. III.

¹3) Die Combination der methodischen Prinzipien in dem lateinischen Unterrichte der unteren und