20 3 ☛
Ein Fünfter (nach dem Standbild der Gerechtigkeit weisend):
Da schau empor zu jenem GCötterbild,
Dem Sinnbild ewiger Gerechtigkeit,
Siehst du die gleichgestellte Schale in der Hand? Wirf in die eine all dein Heiligstes,
Gesetz und Glaube, Liebe, Treue, Scham,
Und in die and're wirf sein windig Wort:
Was siegt?—
Oktavius (erst verwirrt, dann mit wachsender Festigkeit): Noch eins,— noch eins, mein edler Freund,
Vor allem: wahr! Drum schuldet Freund dem Freund Vor jedem andern Dienste offnen Rat.
Wir geh'n zusammen, doch kaum jenen Weg, Auf den dein herrlich Ungestüm dich reisst,
Du kennst ihn, der von fern so lockend winkt Und schmachvoll am tarpejischen Felsen endet. Es bleibt dabei, Tiber, dein Weg ist falsch, Aecht, wahr und edel ist hier nur dein Herz.
Im wilden Kampf entflammter Leidenschaften,
Wo alles sinnlos nur nach vorne drängt,
Da zeige sich des wahren Staatsmanns Kunst, Wenn er dem Strom sich kühn entgegenstemmt, Und ihm mit fester Hand sein Bette weist,
Statt auf der Tageslaune Woge schwimmend,
Mit ihr und durch sie schliesslich zu versinken. Gib nach, das sei der Freundschaft erstes Pfand!
Tiberius: — Du narrst mich. So gescheh's! (Oeffnet die Thür, durch welche das Volk hereindrängt, das während des Folgenden ihm gestikulierend zuhört.)
Römer, so hört! Ihn oder mich. Nun wählet! Nicht unser Los— was liegt an ihm und mir?— Die Zukunft Roms liegt jetzt in eurer Hand.
Oktavius ist mein Feind nicht, ich nicht seiner, Roms heiliges Gesetz ist beiden heilig:
Wer aber— und nun schauet scharf, ihr Bürger, Denn hier beginnt ein arges Gaukelspiel,
Mit dem sie euren schlichten Biedersinn
Durch Worte, die ins Ohr gefällig fallen,
Vom graden Wege abzurücken suchen—
Wer denn von beiden ist Roms wahrer Feind, Der Neuerer, wer, der an den Fugen rüttelt,
Der rast und tobt und wühlt— so schmäh'n sie mich— Wenn er Roms freie Söhne, seine Brüder,
Die Söhne derer aus den tausend Schlachten Enterbt, verbannt, ehrlose Knechte sieht,
Oder die Herren mit dem Purpurfstreifen?
Hier ruft die Tuba, dort ihr Flötenspiel,
Und wenn im Feld der Leib auf's Lager sinkt, Von Staub und Schlachtendrang zum Tod ermattet, (tlöhnisch) Die Herrn in Rom, die labt ihr duftend Bad, Dann hüllt man sie in weiche, tyrische Decken, Der Sklave fächelt, und aus goldner Schale Schlürfen sie Stärkung, dass zu unsanft nicht
An ihren Nerven derlei Kriegslärm rüttle.
— lst das Roms Dank? Wer ist der Neuerer, ich, Oder der Mann hier, dessen wack'rer Sinn
— Mit blutendem ierzen sag' ich's, doch ich sag's— Mit Blindheit wie geschlagen, mir versagt.
Er oder ich, für beide ist nicht Raum.
Sie oder Ihr; für beide ist nicht Raum.
Wem Rom gehört, das alte, heilige Rom,
Entscheidet! (Lauter Beifall: Tibern, Tibern!)
Oktavius(gelassen):
Du hast gesiegt— du Armer, juble nicht!
Tiberius:
lch hab' es in der Götter Hand gelegt.
Zweite Szene. (Gruppen von Bürgern drängen jetzt in den Vordergrund.)
Lara: So, das war schön, so etwas ist mein Fall.
Da fühlt man erst so recht, was man doch gilt. »Roms Zukunft«— war's nicht so?—»in eurer Hand.« Mennius:
Ja, das war gut. Das and're aber auch.
Lara: Ja, das war auch gut. Zwar— ganz unter uns— Die Politik ist nicht so meine Sache.
War dir das alles denn so sonnenklar?
Mennius: Versteht sich! Lara: Dann, bitte, sag: was will er nur? Mennius: Je nun, mit Worten ist das schwer zu machen.
Bei der Art Kram(mit komischem Pathos) ist alles— mehr— Gefühl.
Man muss so etwas nehmen, wie es kommt: Wir kamen fröhlich halt vom Opferfest,


