Aufsatz 
Roms Dank. Dramatische Skizze in 3 Szenen
Entstehung
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Roms

Dramatische Skizze in 3 Szenen.* Von Otto Schaedel.

Dank.

Personen.

Tiberius Gracchus Oktavius

Gajus, Tibers Bruder. Scipio, Tibers Schwager. Mennius, ein Schuster.

Tribunen

Lara, ein Schneider.

Murro, ein Winkeladvokat.

Carra, eine Frau aus dem Volk. Gela, Gajus Braut.

Cornelia, die Mutter der Gracchen.

Senatoren, Volk.

Erste Szene. (m Saal der Wahl. Figur der Gerechtigkeit mit der Wagschale im kintergrund.)

Tiberius: So oder so; jetzt muss es sich entscheiden, Nicht länger mehr hält man das Volk im Zaum: Oktavius, vergiss nicht deiner Pflicht! Auf dich und mich sieht bangend heute Rom; Versagen Roms Tribunen, wir, wo bleibt Noch Trost? Nun siehe, wie du's treibst: Betäubst du noch mit deinem Zitherspiele Das dumpfe Grollen und den Schrei der Not? Liest du noch nichts in deines Sklaven Zügen Von jenem tiefen Hass, der, sprungbereit, Des Augenblicks nur harrt, um den zu würgen, Vor dem er jetzt noch, winselnd, Gnade fleht? Oktavius:

Tiberius ist stets derselbe noch.

Wo gährt es denn, als nur in deinem Kopf?

Doch, was dem Jüngling ziemt bei seinen Jahren,

Ziemt nicht dem Mann, des römischen Volks Tribun.

Gedenke deines Amts! Mit der Art Reden mag

Ein Zungendrescher unsern Pöbel kitzeln,

Mag, auf der Phrasen Meere stolz sich blähend,

Ein Jüngling in der Rednerschule glänzen,

Uns ernsten Männern steht das nicht. Bedenkst du auch, du Enkel der Szipionen, Was solch ein hohes Erbe von dir heischt? Sie haben Rom gebaut, du willst es stürzen; Hast tollkühn du den wüsten Sturm entfesselt, Glaubst du, er macht vor mir, vor dir dann halt? Fiberius, sieh dich vor!

Tiberius: Zu spät, zu spät! Ich hatte mir die Welt Wie du nach meinem Kopf zurechtgezimmert. Da hat mich's jäh und unsanft aufgerüttelt, Und jetzt seh' ich das Leben, wie es ist. Wo sind sie hin, die schönen süssen Träume, Wo, in dem Schatten meiner Pinien wandelnd, Auf meinem Gut da unten ich gelassen Der Weisheit Griechenlands im Geiste lauschte? Was war mir da die Welt, was Rom, Was gar mein Volk? Und wenn von Zeit zu Zeit Von dem Olivengarten, wo die Sklaven pflügten, Ein Schrei, aufblitzend, so herüberhallte, So schickten mir die prangenden Orangen Nur desto süss're Düfte wieder zu: Ein Tag hat mich zum Mann gemacht.

*) Anmerkung: Die obige Arbeit ist ein Versuch, einen umfassenderen geschichtlichen Stoff in möglichster Knappheit des äusseren Rahmens, unter Verwendung eines möglichst geringen Apparates an Personen und Szenerie dramatisch zu gestalten.

Der Verfasser.