Aufsatz 
Zur Lektüre der obersten Klasse
Entstehung
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folgt Dickens, A. Christmas Carol, mit Recht ein Liebling der Mädchenſchule, da gerade in dieſem Werkchen das allgemein Menſchliche hinter dem ſpezifiſch Lokalen nicht zu ſehr zurücktritt. Am Schluſſe wird aus einer Sammlung von Tales and Sketches(Velhagen und Klasing) I. Bändchen, ſoweit es die Zeit erlaubt, noch eine Anzahl kleinerer Erzählungen der verſchiedenſten modernen Schriftſteller geleſen. Als poetiſche Lektüre wird zunächſt das tiefempfundene Moore, Paradise and Peri, ſodann Byron, Prisoner of Chillon(beide in einem Bändchen) ge⸗ leſen. Dann folgen die drei erſten Akte von Julius Caesar; die beiden letzten Akte können ohne Schaden kurſoriſch deutſch geleſen werden. Ausgeſchieden wurden von denjenigen Schriften, welche ſonſt in der Mädchenſchule berückſichtigt werden(ſ. Zeitſchrift für weibliche Bildung 1887, Heft 3 und 4), The last Days of Pompeii wegen des zu ſtark vorherrſchenden archäologiſchen Moments, Lamb, Tales from Shakespeare, wegen der die Einheit des Stils ſchädigenden Ver⸗ quickung der Diktion Shakeſpeares mit derjenigen des Schriftſtellers und weil überdies die bloße Inhaltsangabe eines Dramas doch nur einer raſchen Orientierung dienen kann. Ivanhoe von W. Scott iſt ſchwer. Bei Longfellow, Evangeline iſt die breite Anlage der Handlung bei ſchul⸗ mäßiger Lektüre der Erhaltung des Intereſſes an der edlen Dichtung nicht eben förderlich.

Das wäre in allgemeinen Umriſſen der Plan der Lektüre in der oberſten Klaſſe. Wenn wir uns bei ſeiner Unzulänglichkeit damit tröſten, daß ſchließlich jedes pädagogiſche Menu mehr oder weniger mit Waſſer gekocht wird, ſo bleibt ein nach beſtimmten Grundſätzen vorgelegter Plan doch jederzeit für die Schule Gewinn.

Bei der Wiedergabe an dieſer Stelle hatten wir auch lediglich den rein praktiſchen Zweck im Auge, den verehrlichen Eltern zu zeigen, in welcher Weiſe die oberſte Klaſſe einen organiſchen Abſchluß der Schularbeit anſtrebt. Sollten alſo geſundheitliche oder häusliche Verhältniſſe den Beſuch dieſer Klaſſe ver⸗ bieten, ſo verſchließen wir uns keineswegs der Würdigung dieſer Thatſache; auch kommen wir unſeren Schülerinnen auf dieſer Stufe beim Vorhandenſein triftiger Gründe mit weitgehender Dispenſation entgegen. In allen anderen Fällen jedoch dürfen wir die Eltern bitten, ernſtlich zu erwägen, ob ſie dieſen Abſchluß der von der Schule vermittelten Bildung ihren Kindern ohne Not verſagen wollen.