Aufsatz 
Plinius der Jüngere und Cassiodorius Senator : kritische Beiträge zum 10. Buch der Briefe und zu den Varien / von Ludwig Schaedel
Entstehung
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und zeitgemäßen Betriebs der klaſſiſchen Studien, wie es dem Schwiegerſohne Georg Thudichums ent⸗ ſprach, deſſen Zeus von Otricoli ſein Arbeitszimmer ſchmückte; und gern wies er darauf hin. Am 8. Februar 1887, nachmittags 3 Uhr, ward er unter großer Teilnahme, unter Begleitung der Lehrer⸗ kollegien unſrer Anſtalt und aller andren hieſigen Schulen, tief betrauert beſtattet. Seine Oberprimaner trugen den Sarg zum Grabe. Kollege Dr. Klingelhöffer gab den Empfindungen, die uns alle be⸗ wegen, an ſeinem Grabe den rechten, tief gefühlten Ausdruck.

8. Unſrer Anſtalt wurden auch zwei brave Schüler durch den Tod entriſſen. Am 31. Okt. 1886 ſtarb infolge eines ſchweren Gehirnleidens Emil Otto Klingelhöffer, der bis zum 1. Aug. 1886 Schüler der Oſter⸗Obertertig geweſen war. Adolf Köhler, Schüler der Oſter⸗Oberſekunda, ſtarb, ohne daß ein längeres Leiden vorausgegangen, nach kurzer Krankheit am 16. Jan. l. J.

9. Die durch den Tod des Gymnaſiallehrers Dr. Walther erledigte Stelle wurde durch Aller⸗ höchſtes Dekret vom 9. Febr. l. J. mit Wirkung vom 1. April l. J. dem Reallehrer Rudolf Glaſer in Groß⸗Umſtadt übertragen. In die Stelle des Prof. Dr. Lips tritt infolge Allerhöchſten Dekrets vom 19. Febr. l. J. der Gr. Gymnaſiallehrer Dr. Theodor Walter zu Büdingen ein, ebenfalls mit Wirkung vom 1. April l. J. Durch Allerhöchſtes Dekret vom 5. März l. J. wurde dem prov. Lehrer Karl Albert Henkelmann, der ſeit dem 4. Aug. 1884 an unſrer Anſtalt als Vikar thätig geweſen, eine Lehrerſtelle an der Realſchule in Groß⸗Umſtadt übertragen.

10. Am Vormittag des 2. Sept. 1886 feierte unſre Anſtalt das deutſche Feſt in dem großen Saale des Saalbaues durch einen ſehr zahlreich beſuchten Feſtaktus. Am Geburtstag des Kaiſers (22. März 1887) konnten wir leider keinen ähnlichen Aktus veranſtalten, weil in dieſen Tagen der Saalbau dafür nicht frei war, und am Ende des Winterhalbjahrs unſer Sängerchor infolge des Abgangs der älteſten Schüler und vieler Dispenſationen Störungen erleidet.

Die Prüfungen der Herbſtklaſſen wurden am 23. und 24. Sept. 1886 abgehalten.

Am 29. Januar 1887, abends von 57 Uhr, führte unſre Anſtalt mit Erlaubnis Sr. König⸗ lichen Hoheit des Großherzogs, auf Bitten des Vorſtandes der Zweig⸗Schillerſtiftung Darmſtadt zum Beſten der deutſchen Schillerſtiftung durch Schüler unſrer Primen den Philoktetes des Sophokles nach der Überſetzung von Guſtav Wendt im hieſigen Hoftheater auf. Die muſikaliſche Begleitung der Chor⸗ lieder und der melodramatiſchen Partieen war von dem Karlsruher Gymnaſiallehrer Dr. Keller, unſrem Kollegen Dr. Bender und einem Freunde der Sache, Herrn Hofkonzertmeiſter Ferd. Büchler zu Darm⸗ ſtadt, komponiert und unter der Leitung des Kollegen Dr. Bender von einer aus Schülern unſrer Ober⸗ und Mittelklaſſen beſtehenden Kapelle ausgeführt. Der Hoftheaterdirektion und allen Mitgliedern des Theaters, die uns dabei ſo bereitwillig unterſtützten, ſprechen wir hierfür unſren beſten Dank aus. Die Grundſätze dieſer Aufführung wurden von uns in der Darmſt. Zeitung(Nr. 24 28, vom 25. 29. Jan.) dargelegt. Obwohl die Preiſe der Plätze für dieſe Aufführung bedeutend herabgeſetzt worden waren, ſo wurden doch, da das ganze Schauſpielhaus ausverkauft wurde, 1375 Mark eingenommen. Se. Königliche Hoheit der Großherzog, die Großherzogliche Familie und Se. Königl. Hoheit Prinz Heinrich von Preußen beehrten die Vorſtellung mit ihrer Gegenwart. Leider konnte der überſetzer, Oberſchulrat Guſtav Wendt aus Karlsruhe, infolge einer Erkältung nicht zur Aufführung kommen, obwohl er dies zugeſagt. Herr Dr. Keller aus Karlsruhe und Profeſſor Dr. Boltz aus Freiburg i. B. erfreuten uns durch ihren Beſuch. Auch von den höheren Lehranſtalten unſrer Nachbarſtädte, aus Mainz, Worms, Aſchaffenburg, Friedberg, Bensheim, Groß⸗Umſtadt, Wimpfen, beſuchten nicht wenige Kollegen und Schüler dieſe Aufführung, die großen Beifall fand, eine tiefe Wirkung in allen Zuſchauern hinterließ, und die eine von vielen gewünſchte zweite Darſtellung erlebt hätte, wenn nicht die bevorſtehende