Aufsatz 
Plinius der Jüngere und Cassiodorius Senator : kritische Beiträge zum 10. Buch der Briefe und zu den Varien / von Ludwig Schaedel
Entstehung
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Eine von vornherein ſo brüchige Verwaltung kann nur durch außerordentlich eingeſchaltete Organe beſtehen, wie wir Karl d. Gr. die Sendgrafen, Richelieu die Generalintendanten, Cromwell die General⸗ majore, Friedrich Wilhelm I. die Stadtkommandanten einführen ſehen. Der Sajonat, wie ihn beſonders Var. V, 5. XII, 3 ziemlich allſeitig ſchildern, und von dem Dahn III, 181 eine treffliche Darſtellung entwirft¹), iſt 85 gotiſchen Königtum überhaupt untrennbar und beſtand auch bei den Weſtgoten ²). Daher fehlt in V, 5 die gewöhnliche Berufung auf die prisca antiquitas, welche alle(ſchon römiſchen) AÄmter eingerichtet hat. Die Sajonen ſind die Ubiquität des Königs, ſie realiſieren den vigor regius (Dahn III, 186). Der Sajo hat daher nicht wie der Graf feſten Bezirk, ſondern als cursuale mini- sterium(V, 5) wird er im ganzen Gotenreich verſandt ³), auch an die höchſten Stellen und mit den wich⸗ tigſten Nachrichten, vergleichbar dem preußiſchen Feldjäger von 1862. Ein Sajo läßt eine Feſtung an der Etſch anlegen 3, 48; beſorgt die Getreideflotte 2, 20; bietet ein Heer auf 1, 24 und führt 5, 23 4, 45 Heruler), wie 5, 19 eine Flotte, und zwar suis auspiciis. Das erklärt dann, wie 5, 27 und 5, 30 ein dux und vir sublimis ohne capitis deminutio als Sajo committiert ſein kann.

Seine nächſte Beförderung iſt zum comes, und der ungeeignete wird nicht mehr als sajo verwandt (12, 3). In Rom allein gab es deren mehrere. Dahn(III, 183) hält tua devotio für den dem Sajo zuſtehenden Titel; allein 8, 27 bezeichnet vir devotus?) offenbar den römiſchen Paar⸗Kollegen neben dem vir fortis, dem gotiſchen Sajonen. Viele Stellen zeigen, wie der Erfolg von Theoderichs Verwaltung auf dem ſchnellkräftigen Eingreifen des Sajonats beruhte: er erſetzte ihm nicht nur den Telegraphen, ſondern die Polizei. Denn die viel mißbrauchte Einrichtung der tuitio war ſelbſtverſtändlich vor allem eine Garantie für die Treue des vornehmen Römers, der die tuitio des Sajonen genoß. So aber ſteht die Sache eben nur unter Theoderich, und dies iſt der Punkt, wo es nötig iſt, über Dahns Beobachtungen hinauszugehen. Unter den ſpäteren Königen treten die Sajonen nur noch als untergeordnete Exekutiv⸗ beamte der Provinzkanzleien auf(vgl. unten Anm. 2); große Befehle wie die vorhin erwähnten werden nicht mehr an ſie gerichtet. Während 5 Jahren unter Theoderich ergehen 18 höchſt wichtige Auf⸗ träge an Sajonen, während der mehr als doppelten Zahl Jahre 526 538 nur ein einziger, wo ein Sajo(aber auch nur zur Ausrichtung einer Steuermaßregel) Botendienſte verrichtet. Das Schickſal des Sajonats war das des gotiſchen Königtums. Seine Beſeitigung aus der früheren Bedeutung mag das weſentliche Ergebnis der unnationalen inneren Politik Amalaſunthas geweſen ſein, die ſich auf die ſtarken Mißbräuche) des Sajonats(in der tuitio, der öffentlichen Poſt 4, 47. 5, 5 u. ſ. w.) berufen konnte, wie denn ſchon Var. 7, 39 das Zugeſtändnis enthält, unter einem guten Fürſten ſei die tuitio ein Wider⸗ ſpruch. Damit hatte aber das gotiſche Regiment auf eine ſehr weſentliche Funktion verzichtet: die Schneidig⸗ keit war dahin, und ſeitdem rieb ſich die kombinierte römiſch⸗gotiſche Verwaltung in ihrer Zweiheit ſelbſt auf. Das unbeſchränkte Königtum, welches im Sajonat ſich überallhin geregt hatte, konnte allein die Gotenherrſchaft in Italien gewährleiſten. Erinnern wir uns, was Nitzſch(Miniſterialität S. 35) ſagt: auf dem Beamtenbotendienſt der scararii, scaramanni beruhte weſentlich die ganze Energie der karolin⸗ giſchen Verwaltung.

Sollen wir es ein Zeichen von Kraft?) oder von Schwäche nennen, daß Theoderich die Kinder der

) Wiewohl er in den Kollektaneen nur wenige Belege anführt.

²) lex Visigothorum lib. II, 17. 25. VI, 5 als Gerichtsdiener.(Canciani vergleicht ihn mit dem heutigen Alguazil). Dagegen in lib. V. titul. II, ant. II der militäriſche Sajo, beſonders als ſchützender Einlagerer.

³) Nur Var. III, 43 dafür ein spatarius.

¹) Viktor Hehn hat ſich wenigſtens die eine Stelle nicht entgehen laſſen, die uns über die Verbeſſeeung der italiſchen Nindviehraſſe belehrt, wohl aber Var. 10, 10. S. 414 derKulturpflanzen und Haustiere ꝛc. Berlin 1877.

) 5, 31 heißt der Quäſtor ſo.

6) Sie werden auch im edict. Athalarici erwähnt.

*) Über Theoderichs Regierung giebt es eine doppelte Tradition, deren eine ihn unmenſchlicher Härte zeiht, die andere überaus wohlwollend nennt(beide auch im Anon. Valeſ. wie oben bemerkt). Zu der erſten bietet die

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