Aufsatz 
Über die Bedeutung eines reinen Natursinnes, und dessen Einfluß auf Geist und Herz der Jugend
Entstehung
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heute den Eifer befriedigt, morgen wieder verjuͤngend antreibt, dies Geheimniß ſchurt das heilige Feuer des Wiſſens. Der Geiſt ſchwebt zwiſchen Hoffen und Empfangen: was er heute in dunkeln Rathſeln voruͤbergehen ſieht, davon ſagt ihm die Natur nach Jahren oft erſt die klare Aufloͤſung.

3) Dabei bleibt der Sinn in Beſcheidenheit und Ehrfurcht, aus Ehrfurcht aber vor einem großen Geſetze erzeugt ſich jenes Hoͤhere im Menſchen, jene ſtille Klarheit im Innern ſeines Geiſtes, die durch keine Abweichung von dem, was gut und recht iſt, ſich verdunkeln laͤßt. In dieſem ewigen Sittlichen beruht das Ziel, nach welchem alle Erziehung, alle Fuͤrſorge hinſtreben ſoll. In ſo fern aber das Sittliche dieſes tief Gebildete der Mittelpunkt, der Heerd des uͤbrigen Denkens und Handelns ſeyn ſoll, wird umſchauende Kenntniß die weiteſte Pflicht, auch fuͤr die Jugend bleiben. Umgeben von einer erhabenen Ordnung, (wir wollen dieſe nun Natur nennen,) unaufhoͤrlich aufgeregt von dem heiligen Ernſt ihrer Geſetze fuͤhlt es der Menſch, daß er, der vernuͤnftige Beobachter eines Geiſtes der ſchoͤpferiſchen Ordnung, daß auch er heilige Geſetze anerkennen muß, denen er freiwillig, mit Liebe und mit Ergebung ſich unterwerfen muß, um ſich mit dem Geiſte des Schoͤpfers in Einklang zu erhalten. Aber was heißt dies anders, als nach umfaſſender Tugend zu ſtreben?

Liebe und Kindlichkeit iſt der Genius, der von ſolchem reinen Anſchauen ſich aufſchwingt. Wo kann man inniger Beſcheidenheit des Geiſtes, wo bildlich tiefer die Maͤßigang des Herzens lernen, als bei Geſetz und Zauberkraft der weiten Schoͤpfung, die in beſcheidener Huͤlle ihre Wunder einſchließt, verbirgt und wachſen laͤßt, bis der Augenblick erſcheint, der ſie ans Licht rufen kann und ru fen darf! Einfach und ſchlicht, wie die Natur, iſt darum das Weſen des Den kers. Man konnte Tage lang mit Plato umgegangen ſeyn, wie die Sage be⸗ merkt; und man wußte noch nicht, daß es Plato war! Gewiß, es lohnt mit hoher Baͤndigung ſeiner ſelbſt, die Geſetze zu beobachten, welche der allgemei⸗ nen Entwickelung zum Grunde liegen! Biſt du gewoͤhnt, dir eine groͤßere Ord⸗ nung vor Augen ſchweben zu ſehen, ſo wirſt du dich ſelbſt vor Anmaßlichkeit be⸗ wahren; ſiehſt du taͤglich, daß dieſe groͤßere Ordnung die Uebertretung ihrer

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