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Beſtrebungen muß alſo dem Menſchen von fruͤheſter Jugend an, ohne es ſelbſt deutlich zu durchſchauen, durch die Gewoͤhnung vorſchweben. Wuͤrde es nicht Taͤuſchung ſeiner Eltern, Taͤuſchung ſeiner Fuͤhrer werden, wenn ſie glauben wollten, zu ſchoͤnen Erwartungen des aufbluͤhenden Gemuͤthes be— rechtigt zu ſeyn, ohne die Grundlage alles Großen und Guten ſchon unbe— wußt gepflanzt und in das empfaͤngliche Herz gepraͤgt zu haben?— Das Leben des einzelnen Menſchen hat Aehnlichkeit mit dem jugendlichen Leben der Voͤlker. Ihm ging auch ſchon ein geſchenktes Heiliges voraus, das man Schutzgeiſt nennen kann, und was waͤre der Juͤngling, wenn er dem vaͤter⸗ lichen Heerde entriſſen, unerfahren und ungewaffnet in die Welt traͤte, ohne einen innerlichen Schutzgeiſt, ohne jenes lebendige, tief in ſeinem Gefuͤhle feſtgewurzelte Bild des Schoͤnen, des Rechten und Guten, ohne jenes in Alles ſich miſchende Idol fuͤr Vernunft und Gewiſſen, das in dem einge⸗ praͤgten Glanzbilde von Gott und Natur liegt?— Ein Rohr, das im Winde umher getrieben wird, hat noch eine Stuͤtze: aber eine Seele, die vor den Leidenſchaften im Sturme geht, ohne Wurzel an Geſetz und Gott, treibt ganz unſtaͤt.
Giebt es alſo eine heiligere Pflicht der Erziehung als die, auf dem Wege der Religion und der ihr enge verbundenen Aufmerkſamkeit auf Natur fruͤhe ſchon den Geiſt zu bilden und zu pflegen, zu leiten und zu ſtaͤrken? Iſt es nicht eine ſchoͤne Verpflichtung, den Sinn, der ſich ankuͤndigt, der ſich dringend meldet, nicht untergehen zu laſſen? Wo die ſittliche Kraft er⸗ ſtorben iſt, was kann da Feſtes und Wahres erſtehen?
Nach dieſen Andeutungen wird man es nicht verkennen, wenn ſo viele und ſelbſt diejenigen, welche die Geſchichte ihre Weiſen nennt, dem aͤchten Sinne fuͤr Natur einen Werth beſtimmten, welcher die Vorſtellung deſſen uͤberſteigt, der nur in ſich Beſchaͤftigung ſucht, deſſen Mitgefuͤhl fuͤr jenes


