Bemerkungen erwähnt, darin, dass gerade sie die Handlungen und leidenschaftlichen Stimmungen, worin sich ihr idealer Sinn d. i. die Begeisterung für Tugend, Ehre und Würde äussert, in gedämpfter, unanstössiger, der„bienséance“ entsprechender Form zum Ausdruck gelangen lassen. Es sind lediglich die Frauen bei Corneille und wiederum nur gewisse unter ihnen, die in ihrer idealen Geistesrichtung mit ihren Idealen in Conflict geraten, indem sie Sorge tragen, dass ihre Erregung nicht das gebotene Mass der Selbstbeherrschung überschreitet, und darin beruht eben ihr pretiöser Character. Dieser steht in scharfem Contrast zu jener Geistesrichtung, die von den sogenannten„Pretiösen“ der späteren Jahre nach der Fronde eingeschlagen wurde, die sich in schöngeistigem Streben und Geschmacklosigkeiten aller Art in einer Weise gefielen, dass sie den Spott der Mitmenschen herausforderten und Molières Satire hervorriefen. Auch bei dichtenden Zeitgenossen Corneilles und bei Vorläufern Racines ist jene pretiöse Reflexion noch wahrzunehmen, während bei Racine die Neigung, die Leidenschaft herauszukehren, stärker hervortritt und die Empfindung reiner zur Darstellung gelangt als zuvor. So ist u. a. in„Timocrate“, dem ersten Trauerspiele, mit dem Thomas Corneille einen grossartigen Erfolg erzielte, der pretiöse Character und Ausdruck unverkennbar; insbesondere ist der Character der Eriphyle durchaus pretiöser Art, wie er uns in den Tragödien seines Bruders auf Schritt und Tritt begegnet, indem sie in der peinlichen Lage, in die sie durch des Cleomenes befremdenden Vorschlag gedrängt ist, den Character der Würde und des Ansehens einer Königstochter zu bewahren ängstlich bemüht ist. Denn gewaltig wogt es in ihrem Innern angesichts des Benehmens eines Mannes, zu dem sie warme Neigung gefasst, da er sie jetzt einem verhassten Feinde preisgeben will. Diesen ihren Herzenskummer durchblickend, ist denn auch ihre Vertraute Cleone bemüht, ihre Bedenken zu zerstreuen ¹). Denn der edelmütige Rat des Cleomenes wolle den Glanz ihrer Krone erhöhen, ja ihr Haupt mit einer zwiefachen Krone schmücken. Dem entgegen gibt es nach Eriphyles Ansicht nichts, was ihre Ehre mehr beflecken könne, auch die Fürsten hätten den Rat nicht gebilligt. Immer wieder sucht Cleone aufs neue Eriphyles Verhalten zu rechtfertigen. Vielleicht habe Eriphyle anfänglich Cleomenes Liebe nicht gebührend erwidert; was jene mit dem Hinweis auf ihren Rang entschuldigt; wenn sie als Fürstentochter ein Liebesgeständnis vermieden, so sei sie gleichwohl für Gegenliebe empfänglich gewesen. Gerade an dieser Stelle dürfte der pretiöse Character Eriphyles unzweifelhaft zu Tage treten: II, 1, v. 45 sqd. Encor qu'une princesse ait cela d'elle méême,
De ne pas s'abaisser jusqu'à dire qu'elle aime;
Et que ce rang illustre, au milieu de ses feux
Défende sa vertu d'un terme si honteux,
Quelque empire qu'elle ait sur son àme enflammée, N'est-ce pas l'avouer que souffrir d'être aimée?
1) II, 1, v. 41 sqq.................. je veux croire, Pour amoindrir son crime et sauver votre gloire, Que ses feux dans l'abord peut-étre mal reçus Perdirent tout espoir de vaincre vos refus.


