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G. Priratanterricht.
Gelegenheit zu Privatunterricht in allen Theilen der Gymnasialstudien war vielfach geboten und benutzt. Beklagen mussten nur einzelne Lehrer, dass manche Eltern, im übelverstandenen Interesse ihrer Kinder, diese so sehr mit Privatunterricht überhäuften, dass die natürliche Entwickelung der Knaben gehindert wurde und die Zwecke des Unterrichts darunter leiden mussten, oder die zumal bei jüngeren Schülern so sehr zu beachtende körperliche Entwicke- lung Schaden nahm. Der mit dem allseitigen Zustande des Knaben vertraute Lehrer sollte hier vor Allen zu Rathe gezogen werden, und wird aus Pflicht und Theilnahme zu jeglicher Weisung in dieser Sache stets bereit sein. Auch die Annahme von älteren Schülern zu Privatlehrern bei jüngeren ist gewissen Vorsichtsmassregeln unterworfen, die nur von den beiderseitigen Lehrern ge- würdigt werden können. Im Allgemeinen ist der öffentliche Unterricht am Gymnasium so organisirt und bemessen, dass einerseits der jeweilige Zweck vollkommen dadurch erreicht werden kann, ändrerseits auch das naturgemässe Verhältniss zwischen Anstrengung und Erholung des Geistes und des Körpers dadurch gewahrt wird. So kann Privatunterricht in eigentlichen Schulgegen- ständen überhaupt nur in einzelnen Fällen nothwendig, und für die gesammte Stellung des Schülers nur durch sachgemässe Anordnung des Lehrers schadlos gemacht werden.
F. Disciplire.
Der Prüfstein einer gesunden Lehranstalt und die Bedingung jeglichen Gedeihens ist der sittliche Geist ihrer Zöglinge. Auf seine Erweckung und Belebung mussten wir Lehrer um so mehr unsere ernsteste Sorgfalt verwen- den, als bei den verschiedenartigen Elementen, woraus unser Klassenbestand erwuchs, eben so verschiedenartige Richtungen die Bildung eines edleren Ge- sammtgeistes behinderten und erschwerten, und jede gegebene Gestaltung für die Zukunft der Lehranstalt entscheidend wurde. Doch muss der Lehrer hier- bei gewissenhaft von allen denjenigen unterstützt werden, die in naher und ferner Beziehung zu den Schülern stehen. Zunächst kann ich die angelegent- liche Bitte an alle Familien und Bewohner der Stadt, die sich mit der Be- herbergung und Pflege junger Leute beschäftigen, nicht unterlassen, dass sie darin ihre richtige Stellung erkennen, und den schönen Beruf erfüllen wollen, das Streben der Lehrer zur Erziehung und Veredlung der Jugend, auch ausser den Schulräumen, nach Möglichkeit zu erleichtern und zu befördern. Vielfach


