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„nicht zur Einſicht in das führt, was bei allem Wechſel der Menſchengeſchlechter „allein der Achtung und der Nachahmung wuürdig bleibt, indeß das Unwürdige, „wie es auch eine kurze Zeitlang glänzen möge, untergeht, oder, kommt es ja auf „die Nachwelt, mit dem Brandmale der Verachtung für alle Jahrhunderte zur „Warnung da ſteht; wenn aus dieſer Einſicht nicht eine reine ſittliche Geſinnung „hervorgeht, die Alles, was die Menſchheit ehrt und veredelt, in ſich aufnehmen „und, wo es möglich iſt, in Thaten darſtellen möchte; wenn nicht endlich neben „der echten Weisheit des Lebens auch die Klugheit, ſo wie ſie mit jener ver⸗ „träglich iſt, die Frucht deſſen wird, was aus den Erfahrungen der Vorwelt ge⸗ „lernt werden kann; ſo bleibt alle hiſtoriſche Gelehrſamkeit, ſelbſt für die muͤh⸗ „ſamſten Forſcher und die tiefſten und gründlichſten Kenner, doch nur ein todtes „Wiſſen ¹).“ Und ſehr richtig ſagt Seebode 2):„Vor allen ſollte der Lehrer „der Geſchichte ſich auf den religiöſen Standpunkt erheben, um den Glauben und „das Walten der göttlichen Vorſehung zu beleben, die Chrfurcht, die Liebe und „das Vertrauen zu befeſtigen und das Gemüth zu dem Höheren hinauf zu leiten.“—
Ich berühre endlich den Unterricht in der Mathematik, der Viſſenſchaft, welche zu den wichtigſten Mitteln gehört, den menſchlichen Verſtand zu einem conſequenten, ſtrengen und acfnmmenhängelden Denken anzuleiten. Das Studium der Mathematik hat keine unmittelbare Beziehung auf die moraliſche Bildung, leitet und motivirt nicht die Unterordnung des Wiſtens unter die Idee des Guten. In ſo fern durch daſſelbe der jugendliche Geiſt geleitet wird, über die anſchaulichen Zahl- und räumlichen Maßverhältniſſe mit geſammelter Aufmerkſamkeit nachzu⸗ denken, klare, beſtimmte Begriffe zu bilden, eine ſtreng geordnete Reihe der Beſtim⸗ mungen uͤber die Zahlengröße und die räumlichen Geſtaltungen feßzuhalten, ſtärkt es den Geiſt zum klaren, geordneten Denken und bezähmt das regelloſe Umher⸗ ſchweifen der Phantaſie. Von einem moraliſchen Einfluſſe deſſelben kann aber keine Mede ſein, da die Mathematik die Wiſſenſchaft des reinen, ordnenden Ver⸗ ſtandes iſt.—
Was die Kunſtfertigkeiten betrifft, welche die Schule mittheilt, ſo iſt das Schreiben, nur als Mittel zur Fortbildung, ſo ſind das Zeichnen und der Geſang, als die beiden allgemein bildenden Aeußerungen und Mittel des äſthe⸗ tiſchen Gefühls, von Wichtigkeit.—
Daß aber auch durch die Bildung des Körpers, welche für eine kräftige und ſchöne Entfaltung des Geiſtes, ſo wie für ein zufriedenes, glückliches Leben äußerſt wichtig iſt, die fütliche Erziehung gefördert werde, wer möchte dieſes nicht zugeben wollen? Und darum iſt wit Recht und gewiß zur großen Freude von Erziehern
benden Jüngling eine wunderbar anregende und ſtaͤrkende Kraft; ſolche Beiſpiele reißen un⸗ widerſtehlicher hin, als alle Demonſtrationen und Ermahnungen der Lehrer.“ Friede⸗ mann's deutſche Schulreden. Gießen 1829. S. 53.
1) Niemeyer's Grundſaͤtze ꝛc. Thl. II. S. 249.
2) Seebode a. a. O. S. 6 u. 7.


